Emigrate - Silent So Long - Cover
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Emigrate Silent So Long


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Großes Staraufgebot und ein Mix aus Eingängigkeit und Härte, der auch ohne blumige Rammstein-Lyrik funktioniert.

Emigrate ist das musikalische Nebenprojekt des Rammstein-Gitarristen Richard Z. Kruspe (47), das während einer längeren Pause von Kruspes Hauptband ins Leben gerufen wurde und bis dato einen Longplayer im Jahr 2007 auf den Markt gebracht hat, der die Top 10 der deutschen Album-Charts erreichte. Im April 2013 kündigte Kruspe dann das zweite Emigrate-Werk an, welches nach ein paar Terminverschiebungen Mitte November 2014 herauskam. Darauf featured der Rammstein-Mitbegründer berühmte Gäste wie Marilyn Manson, Lemmy Kilmister (Motörhead), Peaches, Jonathan Davis (Korn), Frank Dellé (Seeed) sowie On- und Off-Lebensgefährtin Margaux Bossieux (Dirty Mary).

Die Hoffnung: Mit dieser Promi-Armada und den treuen Rammstein-Fans im Rücken, lassen sich sieben Jahre zwischen zwei Alben irgendwie kitten und kommerziell keinen Absturz erleiden. Industrial-Rock geht schließlich immer. Wenn dann noch ein Schuss Metal, EBM und Elektro dazukommt, sollte die künstlerische „Angriffsfläche“ so breit sein, dass nicht nur kleine Gothic-Mädchen auf den Karren aufspringen.

Mit dem fluffigen Einstiegssong „Eat you alive“ (feat. Frank Dellé), der Riffs, Grooves und Melodie gekonnt miteinander verbindet, klappt das bereits ganz gut. Doch Kruspe hat noch mehr im Köcher. Zum Beispiel den hypnotisch bollernden EBM-Groover „Get down“, der mit den geheimnisvollen Vocals von Peaches und einer finalen Riff-Attacke veredelt wird. „Rock city“ flitzt als wilder Punkrocksong durch die Speaker. Dazu krächzt der gute alte Lemmy aus dem letzten Loch, bis seine dritten Zähne gegen den Mikrofonständer fliegen.

„Hypothetical“ könnte auch genauso gut ein eigener Song von Marilyn Manson sein. Das Stück mahlt zäh und gefährlich düster, scheinbar auf einem „Kashmir“-Sample von Led Zeppelin basierend, aus den Boxen. Manson kotzt sich dazu ordentlich aus und feiert damit ein gelungenes Comeback als Schock-Rocker. Danach beginnt ein Abschnitt mit vier von Richard Kruspe gesungenen Tracks, die mal sehr melodisch („Rainbow“), mal episch und opulent („Born on my own“), mal kühl und elektronisch („Giving up“) und mal forsch rockend („My pleasure“) daherkommen. Dabei überrascht es nicht, dass trotz der stilistischen Unterschiede alles wie aus einem Guss zusammenpasst. Denn Herr Kruspe versteht sein Handwerk und pendelt geschickt zwischen Eingängigkeit und Härte, die auch ohne blumige Rammstein-Lyrik funktioniert.

Anspieltipps:

  • Faust
  • Get on
  • Happy times
  • Hypothetical
  • Born on my own
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