Lia Ices - Ices - Cover
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Lia Ices Ices


  • Label: Jagjaguwar
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht von diesem Planeten: Eine Amerikanerin hebt ab und kehrt mit Leichtigkeit zurück.

Der Internetauftritt von Lia Ices blitzt, glitzert und funkelt in Farben, die man sonst aus Dance-Musik-Videos der 90er-Jahre kennt, in denen Frauen mit fragwürdigen Haarschnitten in grellen Jogginganzügen wild auf ihre poppigen Songs tanzen. Damit steht die Homepage der amerikanischen Sängerin in absolutem Kontrast zum Albumcover, das äußerst schlicht gehalten ist. Worauf soll sich der Hörer denn nun einstellen? Am besten hält er es wie die Künstlerin selbst und ist offen für alles.

Die zehn Tracks auf diesem Album bewegen sich irgendwo zwischen der knalligen Leuchtreklame der Webseite und den gedeckten Tönen des Covers. Dabei entsteht jedoch kein Kontrast, denn Lia Ices schwebt mit leicht abgehobenen, futuristischen, sanften Klängen auf einer Wolke, die beides miteinander verbindet. Sie taucht in eine Art Traumwelt ein, in der Schwerkraft kein Gesetz und Bodenständigkeit keine Tugend ist. Alles scheint leicht, verspielt, harmonisch.

Tatsächlich entstanden die Ideen für die Songs im Flugzeug, irgendwo zwischen dem hektischen, aufregenden New York und dem sonnigen, unwirklichen Los Angeles. Ices ging auf in dieser Blase zwischen zwei Welten, fing die Stimmung ein und brachte sie - vollkommen entschleunigt - zurück auf unsere immerzu beschleunigende Erdoberfläche. Dabei ziehen sich die Assoziationen zum Fliegen, zur Schwerelosigkeit und zu funkelnder Schönheit auch durch die Titel wie ein roter Faden durch das Werk: „Higher“, „Magick“, „Sweet As Ice“ und „Waves“ beispielsweise folgen alle derselben Idee.

Bei den Aufnahmen selbst gab es eigentlich nur eine Regel: Alles war erlaubt. So ergaben sich Experimente, die für den Hörer durchaus ein Gesamtkonstrukt ergeben. Es dauert jedoch eine Weile, bis man sich in der Traumwelt von Ices zurechtgefunden hat. So viel Leichtigkeit ist in unserer heutigen Zeit kaum greifbar. Dennoch oder gerade deshalb darf man Lia Kessels, der Dame, die sich hinter dem Künstlernamen Lia Ices versteckt, zu so viel Kraft in der Ruhe gratulieren.

Anspieltipps:

  • Higher
  • Creature
  • Thousand Eyes
  • How We Are

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