Honig - It´s Not A Hummingbird, It´s Your Father´s Ghost - Cover
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Honig It´s Not A Hummingbird, It´s Your Father´s Ghost


  • Label: Haldern Pop/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Tiefgründig, vielfältig, gut: Honig!

Wer summt denn da so schön? Fest steht: Es ist weder ein Kolibri, noch der Geist meines oder deines Vaters. Es ist Stefan Honig, Namensgeber und Sänger einer Band, die mit dem Titel ihres neuen Albums gleich die Tiefgründigkeit ihrer Musik bekundet hat. Für den Kritiker wäre dieses Thema damit schon mal abgehakt. Bleibt vielleicht nur zu bestätigen: Die Lyrics sind von abstraktem Geschmack. Bitter-süß, passend zu den meist ruhigen Melodien. Denn die sind wunderschön klebrig, nicht aber ohne den Hauch herber Sentimentalität.

Hinter diesem Kunstwerk stehen fünf Bandmitglieder, Frontmann inbegriffen. Nach „Empty Orchestra“, einem annähernd, aber nicht ganz so tiefgründigen Albumnamen, entstand nun also „It’s not a hummingbird, it’s your fathers ghost“. Abgesehen von der Kreativität hat sich die Band auch organisch weiterentwickelt: Honig sind nicht mehr ein lose Besatzung, sondern ein fest eingespieltes Team, das gemeinsam gereist und getourt ist und seine Erlebnisse nun in Lieder packt.

Dadurch entstehen elf satte Songs, die klarer und reiner wohl nicht sein könnten. Honigs Musik wird begleitet durch eine sehr präsente Akustikgitarre. Ab und an ist ein Rhodes zu hören, dann plötzlich ein Cello und eine Violine. Als kleines Schmankerl gibt’s dann sogar ein Flügelhorn.

Dass Stefan Honig seine musikalische Karriere in Hardcore- und Metalbands begann, mag man beim Hören des fast sanftmütigen Albums eigentlich kaum glauben. Dass der heute 36-Jährige schon seit gut zwanzig Jahren Musik macht, geht schon viel besser runter - das ist dem Album anzuhören. Und die Aggression aus alten Zeiten? Nun gut, sie kommt an der einen oder anderen Stelle in der Stimme Honigs zum Ausdruck. Gesanglich macht es das Werk aber nicht schlechter, sondern interessanter und verleiht Liedern wie der ersten Single „Lemon Law“ die Prise Nachdruck, die sie zum nahezu perfekten Mix aus stimmlicher Leidenschaft, textlicher Melancholie und melodischer Vielfalt macht.

Im letzten Lied, das die Zehn-Minuten-Marke fast - aber nur fast - überschreitet, packen Honig dann noch einmal alles aus. Ein akustisches Feuerwerk aus Instrumenten, hektisch, forsch, fordernd, brodelnd, bevor das große Finale so endet, wie auch alles begann: sanftmütig, beruhigend, tiefgründig. Da kann man wirklich nur froh sein, dass Honig den Deckel auf sein Erzieher-Dasein gemacht hat und sich nun um seine musikalische Karriere kümmert: „It all ends, it’s all well...“

Anspieltipps:

  • Lemon law
  • Golden circles
  • Peaches
  • We are alone in this together

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