Ben Miller Band - Any Way, Shape Or Form - Cover
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Ben Miller Band Any Way, Shape Or Form


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit elektrischen Löffeln, Waschtrommeln und einer Badewanne durchs weite Herzland.

Wie müssen wohl die Gesichter vom Produzenten Vance Powell (Kings Of Leon, Jack White, Wanda Jackson) oder die der Veteranen und persönlichen Live-Paten von ZZ Top ausgesehen haben, als sie zum ersten Mal das lustige Trio der Ben Miller Band gesehen haben? Die Jungs bauen sich ihre Instrumente schließlich selbst und scheuen auch nicht davor zurück, neben dem Banjo, der Gitarre oder dem Schlagzeug, Eigenkreationen wie Waschbrett, Löffel, „elektrische Löffel“ oder den „Waschwannen-Bass“ einzusetzen - und das alles live. Wohlgemerkt: auch in den Sputnick Studios im legendären Nashville! Alleine dadurch setzen sich Ben Miller, Doug Dicharry und Scott Leeper von anderen Bluegrass- und Delta-Blues-Kapellen ab und bieten nicht nur was fürs Ohr, sondern auch etwas fürs Auge. Der Name ihres zweiten Albums „Any Way, Shape Or Form“ ist daher nicht übertrieben und Programm.

Tatsächlich sind die kruden Instrumente mehr als ein Gimmick und wichtiger Teil des Gesamtsounds der Ben Miller Band. Wüsste man nicht, dass es sie gibt, würde man sie gar nicht erst raus hören und doch hört man gerade deshalb mehr als nur ein Mal hin, um die Sperenzchen des Trios gezielt zu entdecken. Untergebracht in einem bunten Blumenstrauß aus verschiedensten Stilen, wird das auch so schnell nicht langweilig. Da gibt es unbeschwerten Delta-Blues („You Don't Know“, „Hurry Up And Wait“, „Life On Wheels“, „Prettiest Girl“), Country („Twinkle Toes“) oder entspanntes, fröhliches Galoppieren durchs blaue Gras („The Outsider“, „Ghosts“, „King Kong“). Ein nostalgisch geladenes „23 Skidoo“ pendelt zwischen einer Varieté-Einlage, Vaudeville, Roots- und Heartland-Rock munter hin und her und sogar einen leichten Flirt mit dem Alternative Rock in Form von „Burning Building“ gönnen sich Ben Miller und seine Kollegen. Auch in Sachen Lyrics haben die bärtigen Musiker einiges zu bieten: ein augenzwinkerndes Spiel mit der Romantik eines „on the road“ findet sich genauso wie vermeintliche Banalitäten und der daraus entstehenden Poesie, wie auch Sozialkritik, welche es nicht nötig hat, zum Holzhammer zu greifen.

Die Idee der Ben Miller Band ist übrigens die Übertragung einer Live-Atmosphäre, da sie sich als eine Gruppe versteht, die für die Bühne geschaffen ist und den Klang, der auf den Tonträger gebannt wurde - dieser ist wie erwähnt live aufgenommen und so nah wie möglich am gewünschten Sound - als notwendiges Übel sieht. Ob nun am Lagerfeuer oder mit ulkigen Instrumenten in der Konzerthalle ist egal und beides sollte funktionieren. Was am Ende entsteht, ist dennoch ein ziemlich facetten- und abwechslungsreiches Album, das nicht nur viel Spielfreude, Energie und Authentizität ausstrahlt, sondern in seiner Unbekümmertheit und Leichtigkeit das Zeug dazu besitzt, Menschen anzusprechen, die sich bislang nicht mit dieser Art der Musik auseinander gesetzt haben.

Anspieltipps:

  • The Outsider
  • Hurry Up And Wait
  • 23 Skidoo
  • The Cuckoo
  • Prettiest Girl

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