Threshold - For The Journey - Cover
Große Ansicht

Threshold For The Journey


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Paradebeispiel dafür, wie es ist, wenn eine einst großartige Band ihre Inspiration vollkommen verloren hat.

Irgendwie war das abzusehen. Wenn es mal eine Zeit gab, in der Threshold zur Speerspitze des Prog Metals gehörte - und das tat die Band schon alleine mit Alben wie „Hypothetical“ (2001), „Critical Mass“ (2002) und dem alles überstrahlenden „Subsurface“ (2004), dann ist diese Zeit spätestens mit ihrem zehnten Werk „For The Journey“ vorbei. Schon bei „March Of Progress“ (2012) zeigte sich allmählich ein Abwärtstrend oder zumindest enorme Abnutzungserscheinungen, nachdem der Zenit bereits acht Jahre zuvor überschritten gewesen war. Es dem neuen alten Sänger Damian Wilson in die Schuhe zu schieben, wäre höchst unfair. Threshold sind im Großen und Ganzen ja eben doch die Alten geblieben. Immerhin zeichnen Karl Groom (Gitarre) und Richard West (Keyboard) hauptsächlich für das Songwriting verantwortlich. „For The Journey“ beweist, dass ihnen die Puste ausgeht, dass all die Ideale langsam bis zum Gehtnichtmehr durchgenudelt sind, aber auch das Bild einer Zeit vor dem Wendepunkt in Form von „Hypothetical“ von einer Band, welche eine solche Entwicklung wie Threshold gemacht hat, nicht mehr glaubhaft transportiert werden kann.

Und das ist „For The Journey“: Die Komplexität und dennoch vorhandene Eingängigkeit der Threshold des 21. Jahrhunderts werden sehr viel mehr als noch auf „March Of Progress“ mit den leicht verfrickelten und kopflastigen Threshold der Alben „Psychedelicatessen“ (1994), „Extinct Instinct“ (1997) oder „Clone“ (1998) kombiniert. Ironischerweise entschlackt und in einem Lightgewand, was sich auf den ersten Blick gar nicht mal so übel liest, im Endeffekt aber uninspiriert, überraschungs- und höhepunktarm an den Mann gebracht wird. Dabei machen der zügige Opener „Watchtower On The Moon“ und das folgende, mit einer druckvollen Melancholie beladene „Unforgiven“ vorerst eine sehr gute Figur. Bereits bei „The Box“, hier der obligatorische Longtrack, hat man das Gefühl, alles schon mal besser gehört zu haben. „Turned To Dust“ hat schließlich Singlequalitäten und tut sich beinahe für die Band typisch ein wenig schwer damit, während das direkt folgende „Lost In Your Memory“ die schwächste Ballade Thresholds seit langer Zeit ist. Die Herren machen es sich einfach zu leicht und schielen mehr als nötig in die AOR-Ecke.

Stichwort AOR: Threshold gingen in den letzten Jahren immer wieder einen Flirt mit einem solchen Sound ein, was streng genommen immer gut funktioniert hat. Auf „For The Journey“ ist es aber so, dass der AOR kein Zusatz mehr ist, sondern es die Prog- und Metal-Elemente sind. Vor allem, wenn man progressiv vorgeht, wirkt das Ergebnis konstruiert und wie aus einer Notwendigkeit heraus entstanden. Das ist besonders bei „The Mystery Show“ und „Siren Sky“ zu hören. Der einzige wirkliche Höhepunkt ist das spannungsgeladene und bombastische „Autumn Red“. Es erinnert stark an „Oceanbound“ vom Album „Hypothetical“, wäre aber auf jedem vorangegangenen Album (selbst „March Of Progress“) eine eher mittelmäßige Nummer gewesen. Gerade das spricht Bände. Nachdem Threshold immer wieder Höhepunkt an Höhepunkt reihen konnten und der Prog-Metal-Szene so manchen Klassiker beschert haben, veröffentlichen sie mit „For The Journey“ die erste schwache Scheibe seit langer, langer Zeit. Handwerklich ist natürlich alles in bester Ordnung und auch gesanglich scheint Damian Wilson sich der Band wieder mehr anzupassen (wobei sein Gesang natürlich Geschmackssache bleibt), aber das kann man auch gut und gerne von einer Band dieses Kalibers voraussetzen. Alles drumherum zeugt nicht einfach von einem kleinen Ausrutscher, sondern von einer krassen Einbuße an Orientierung, Inspiration und Klasse. Eine echte (und unerwartete) Enttäuschung.

Anspieltipps:

  • Watchtower On The Moon
  • Unforgiven
  • Autumn Red

Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
6/10

Shehili
  • 2019    
Diskutiere über „Threshold“
comments powered by Disqus