Dust Covered Carpet - Pale Noise - Cover
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Dust Covered Carpet Pale Noise


  • Label: Siluh/Hoanzl
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Düstere Grundstimmung, die kurz vor dem Abgrund ihren Höhepunkt erreicht.

Tallinn im Winter: Man stelle sich die von Kälte überzogene, malerische, unter Künstlern allseits beliebte, melancholische Stadt vor. Nächtlicher Schauplatz der Inspiration für Volker Buchgraber, dem Textverantwortlichen hinter Dust Covered Carpet. Skizzen, Notizen, Geräusche für ein neues Album als Ausbeute der schlaflosen Streifzüge durch die estnische Hauptstadt.

Kein Wunder also, dass die Grundstimmung auf „Pale Noise“ vor Sentimentalität fast zu kapitulieren droht. Aber eben nur fast. Vier Köpfe haben sich nach der Rückkehr des Frontmanns um perfekte Arrangements gekümmert, die den winterlichen, düsteren Momenten gerecht werden, ohne dem Indie-Pop gänzlich den Rücken zu kehren. Denn Dust Covered Carpet sind vielleicht emotional. Doch sie sind auch perfektionistisch. So bleiben sie kurz vor dem Abgrund der Melancholie stehen. Arrangieren alles so, dass es nur fast durchgezogen, fast perfekt klingt.

So entstehen Songs wie „Antenatal“, das spätestens ab dem letzten Drittel ins Ohr geht und mit „Linnahall“ und „Grey Formations“ Lieder, die der Band einen Stempel aufdrücken wollen: massentaugliche Indie-Hits. Gut, tiefgründig, fast normal. Das lassen die vier Wiener nicht auf sich sitzen und kontern mit einem äußerst minimalistischen „Polar Romantic“, das zwölf Minuten in verschiedene Strömungen abdriftet. Schubladen funktionieren nicht für diese Herren. Vielleicht auch deshalb die Multifunktionalität aller Bandmitglieder: Dominik Hartl bedient Bass, Gitarre, Synthesizer, Saxophon. Magdalena Adamski kümmert sich um Cello, Synthesizer, Xylophon, Percussions. Volker Buchgraber schreibt nicht nur die Lyrics, er erledigt nebenher auch noch Aufgaben an der Gitarre, Percussions, Synthesizern, Harmonium und Bass sowie Noise Generating und Field Recordings. Armin Buchgraber hat die wenigsten Jobs: Drums und Percussion sind seine Hauptgebiete. Doch singen - so viel Zeit muss sein - das tun sie nebenher noch alle.

Dust Covered Carpet wollen offensichtlich keine normale Band sein. Das gelingt ihnen ganz hervorragend. Die Mischung bewirkt, obwohl sie in unterschiedliche Richtungen ausschlägt, überraschenderweise nicht, dass sich die künstlerische Leistung irgendwo im Mittelmaß einpendelt. „Pale Noise“ ist ein Album, das mit der richtigen Stimmung und Einstellung beim Hörer wirklich faszinieren kann.

Anspieltipps:

  • Linnahall
  • Antenatal
  • Grey Formations
  • Distance

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