Kasper Bjørke - After Forever - Cover
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Kasper Bjørke After Forever


  • Label: HFN Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Neu für Bjørke, nicht wirklich neu für den Rest.

Bjørkes Werdegang begann knapp vor der Jahrtausendwende, damals noch als dänisches House-Duo Filur mit Tomas Barfod. Mehr als die Hälfte seiner Musikerkarriere hat er aber inzwischen solo verbracht, wenn auch Vocal-Features ihm seit 2007 ein ständiger Begleiter waren. Drei Alben sind inzwischen entstanden, die zwar wie die Werke als Filur fest für den Clubkontext vorgesehen waren, sich aber durch einen raueren, teils kälteren Sound auszeichneten. Seine Affinität zum Pop legte er dabei aber selten ab.

Auch auf „After Forever“, seinem nun vierten Album, tut er dies nicht. Dennoch macht Bjørke hier vieles anders, als auf seinen früheren Werken. Den insgesamt neun Tracks wohnt eine düstere Ästhetik inne, die an das Darkwave-Genre der 80er-Jahre und Thriller-Soundtracks derselben Zeit erinnert. Der Opener „Rush“ ist ein ungewohnt langsamer Track, dessen mantrahaft wiederholte Zeilen „I belong to you / you belong to me“ die Kraft der ohnehin schon sehnsüchtigen Synthies verstärken. Auch Kitsch ist diesem Album nach den anschließend in „Sylvia“ einsetzenden Panflöten und tropischen Chill-out-Vibes nicht mehr abzusprechen. Obwohl „Sylvia“ sicher dieser Klischees zum Trotz durch CTMs Vocals doch noch zu einem der interessantesten Tracks auf dem Album entfaltet.

Hintergrundchöre und eine bedrohliche Bassline machen allerdings „Marbled Blood“ zum eigentlichen Highlight auf „After Forever“, zumindest für den, der auf Sprechgesang steht, der den Track in meditative Bahnen lenkt. „Lies“ wiederum hat viel mehr Pop-Appeal sowie verhältnismäßig viel Energie und klingt wesentlich mehr nach instrumentellem Indie-Track als nach elektronischer Produktion. Ein bisschen aus dem Rahmen fällt hingegen „Apart“ das auf seltsame Weise an die House-Produktionen von Inner City Ende der 80er-Jahre erinnert. Ein Anachronismus, über den man aber leicht hinwegsehen kann.

Dennoch müsste man beide Augen zudrücken, um die zwar interessante, letztlich aber eher mittelmäßig umgesetzte Entscheidung, sich an 80er-Jahre-Sounds zu versuchen, gutzuheißen. Bjørke macht sicherlich nicht viel falsch, doch auch nicht viel richtig. Die Tracks funktionieren bis auf Ausnahmen wie „Grit“ am besten im Albumkontext, lassen aber eine übergreifende Narrative vermissen, die Mehrwert bieten könnte. Für dauerhafte Freude sind die meisten Tracks zu schwach, im Hintergrund teils sogar nervtötend („Into Smithereens“ Uhrgeticke beispielsweise).

Anspieltipps:

  • Sylvia
  • Marbled Blood
  • Grit

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