Stephen Brandon - Floating On A Limb - Cover
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Stephen Brandon Floating On A Limb


  • Label: Timezone Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Stephen Brandon scheint sich selbst noch nicht so ganz sicher, ob er dem Radio-Rock der 90er-Jahre oder der Songwriter-Musik einen Altar errichten möchte.

Stephen Brandon hat einfach keinen Stil. So oder ähnlich dürfen sich reißerische Überschriften vorgestellt werden, wenn der Australier sein neues Album „Floating On A Limb“ vorstellt. Diese Kritik dürfte sich dann aber nicht um den Künstlers selbst, sondern seine unüberschaubare Sammlung an Genre-Ausflügen drehen. Brandon gelingt das seltene Kunstwerk, Hörer auch nach mehreren Liedern im Dunkeln darüber zu lassen, was für eine Art Musiker sie hier eigentlich erwartet. Das bringt Mann zweigeteiltes Lob ein, welches auch viel Platz für Verbesserung offen lässt.

Frei nach der Frage nach Vogel, Flugzeug oder Superman lässt sich zu Beginn nicht ausmachen, ob sich Brandon als Zeitreisender dem Brit-Rock hingibt („Underneath The Light“), amerikanisierte Singer/Songwriter-Musik idolisiert („Floating On A Limb“) oder südländische Kollaborationen bevorzugt („Miles“). Das klingt vielleicht nach Vielfalt, gibt aber auch keinen Nährboden dafür, warum Brandon gehört gehört. Wirklich überragend ist nämlich keines dieser Stücke. Alle Songs sind sich ihrer Gewässer bewusst und klingen nicht halbgar oder lieblos. Doch es fehlt dieser Funke, der den Hörer mitnimmt.

All diese Gedanken müssten sich Hörer aber auch gar nicht machen, wenn sie dem Album nur seinen Lauf ließen. Schnell zeigt sich, dass Brandon schlichtweg überhaupt keinen Plan hat, was für Musik er selbst machen möchte. Es juckt ihn einen feuchten Dreck, dass er nicht für den Rock in „Only You“ gemacht ist und „Thy Sword“ zwar tatsächlich psychedelisch ist, das allein jedoch noch kein gutes Lied ausmacht. Selbst wenn das Pathos wie in „Last Night“ stimmt oder der Americana in „Where The Angels Lay“ richtig sitzt, kommt noch keine Begeisterung auf. Alles wirkt sehr vorsichtig zusammengestellt. Anstatt hier ein wenig Mut walten zu lassen, scheint Brandon seine wilden fünf Minuten jedoch in eigene Tracks zu verpacken, die niemanden glücklich stimmen werden.

„Floating On A Limb“ ist ein gutes Beispiel für einen Menschen, der Musik unglaublich gern zu mögen scheint, jedoch keinerlei außergewöhnliches Gespür zur Erstellung dieser zu besitzen scheint. Stephen Brandon ist dieser nette Typ, den Zuhörer ohne großes Vorwissen im Radio dulden und zu seiner Musik im kleinen Club freundlich mitschunkeln, sich aber nie seine CD kaufen würden. Ein erster Schritt wäre es, wenn der Mann sich dafür entscheiden würde, was für Musik er auf die Welt loslassen will. Nach dieser Scheibe ist gewiss, dass er Musik macht, aber eben nicht, was für welche.

Anspieltipps:

  • Last Night
  • Underneath The Light
  • Floating On A Limb

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