James Ocean - Paint Your Perfect Day - Cover
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James Ocean Paint Your Perfect Day


  • Label: Timezone Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Kann jemand eine Neuentdeckung sein, dessen einzige Stärken entliehene Melodien sind?

Das Beste an James Oceans Solodebüt sind Paul Van Dyk und Bill Withers. Ocean beweist bravourös, dass der schlichte Synthie-90er-Jahre-Pop noch nicht tot ist. In generisch harmloser Langeweile schafft „Paint Your Perfect Day“ es nur zu unterhalten, wenn man die Original-Interpreten erkennt. Dass „Video Game“ hierbei genannt wird, liegt allerdings lediglich an der Popularität einer Lana Del Rey. Ansonsten wäre es selbst für Skeptiker der jungen Frau ein Affront ihr gegenüber, diesen müden Pop fürs Frühstücksradio mit dem Chartstürmer-Original gleichzustellen.

Wirklich gefallen können nur „We Are Alive“ von Van Dyk, Withers „Lovely Day“ und das noch taufrische „Budapest“. Es ist schon jenseits jeglicher Dreistigkeit, dass ein Song eines jungen Liedermachers so schnell für eigene Karriereschübe eingesetzt wird. Wenn sich Ocean wenigstens noch irgendeinen Exoten ausgesucht hätte, den nicht gleich jeder kennt. Nun, George Ezra wird sich bedanken. Überhaupt stellt sich bei dieser Vielzahl von tragenden Cover-Versionen die Frage, warum Ocean dieses Album überhaupt aufnehmen musste. Was war seine Muse? Subjektiv gesprochen hat der gute Mann auch nicht unbedingt eine begnadete Stimme, die unbedingt an die Massen getragen werden muss. Arbeiten sich interessierte Hörer durch PR-Material, lesen sie von Herzschmerz und Emotionen in allen Tönen. Tja, dann aber auch wirklich nur in den Tönen, wenn schon so wenige eigene Titel heraussprangen.

Schon an „Video Games“ wird jedoch deutlich, dass James Ocean kaum ein Gespür dafür hat, wann ein Song beginnt, sich wie Kaugummi zu ziehen. Das geht bei „Do The Best“ und „Wild Horses“ in lascher Pop-Manier so weiter und genau genommen fängt dieser Spuk schon mit dem Opener an. Im Vergleich zu den 90ern und frühen Jahren nach 2000 muss sich Ocean auf jeden Fall noch zusätzlich anhören, dass die Radiotracks damals meist der Dreiminutenmarke näher waren. Das würde zumindest die Längen auf „Paint Your Perfect Day“ ein wenig kaschieren. Insgesamt gibt es keine guten Gründe, warum dieses Album den Weg in heimische Anlagen finden sollte. Und das zuvor angesprochene Frühstücksradio macht heutzutage schließlich auch nicht mehr vor elektronischen Klängen Halt. Also braucht es solch uninspirierte Gitarrenpopkost überhaupt zu irgendeiner Uhrzeit? Selbst wer Schmerz ähnlich wie Herr Ocean verarbeitet, wird sich lieber ein paar Originale anhören und diese mitschluchzen. Das hat dann auch tatsächlich Tragweite für den Hörer.

Anspieltipps:

  • Lovely Day
  • Budapest

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