The Levellers - Greatest Hits - Cover
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The Levellers Greatest Hits


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 125 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Sympathischer Folk-Rock mit Punk-Attitüde. Die Levellers liefern einen umfangreichen Überblick mit Licht und Schatten über ihr langjähriges Schaffen ab.

Die Aufarbeitung der 1988 gestarteten Karriere der Levellers in Form dieser Doppel-CD + DVD zeigt, dass der Zahn der Zeit den Liedern nichts anhaben konnte. Das spricht grundsätzlich für die Qualität dieser Folk-Rock-Band aus Brighton in England. Ihr Sound lässt sich grob mit dem Folk-Punk der Pogues vergleichen, ist aber geschmeidiger und hat mehr Pop- und Rock-Bestandteile. Auch der stramme, schwungvoll-dynamische Mainstream-Roots-Rock der Brandos um Dave Kincaid hat Spuren hinterlassen. Den politisch korrekten Aspekt ihrer Aussagen und den oft treibend-fordernden Sound teilen sie mit ihren Freunden von New Model Army.

Die Zusammenstellung wurde von der Band selbst vorgenommen und umfasst nicht nur die offenkundigen Hits und Live-Favoriten, sondern es wurden auch vier Songs mit renommierten Gästen neu eingespielt. Beim Titel mit dem größten Hit-Potential („What A Beautiful Day“) übernahm in der Neufassung die Neo-Rockabilly-Queen Imelda May die Lead-Vocals. Das Original hat aber im direkten Vergleich mehr Durchschlagskraft, da es losgelöster und ausgelassener klingt. Auch „Just The One“ bekam eine veränderte Interpretation verpasst. Der Song bricht unter der Regie der Levellers mit den für sie sonst üblichen Folk-Punk-Zutaten, indem Bläser für eine Abwechslung im Klangbild sorgen. Die elfköpfige Folk-Band Bellowhead versucht, dem Lied eine gewisse heitere Cabaret-Stimmung zu verleihen, erreicht aber nur den Status von Zirkus-Musik.

Das grobschlächtige, zwischen Hard-Rock-Riffs und Folk-Gelassenheit wechselnde „Hope St.“ wird durch eine Version mit Billy Bragg geadelt. Der Altmeister des aufmüpfigen Folk-Protest-Songs macht daraus eine ausgeglichene, feinfühlige Ballade. Andersrum wird „Julie“ behandelt. Im Original ist das eine gefühlvolle Komposition. Unter der Fuchtel von Gastsänger Frank Turner wird sie zu einer druckvollen Folk-Pop-Hymne mit geschickt gesetztem Tempowechsel.

Die Werkschau hat noch ein paar überdurchschnittliche Songs zu bieten. „Fifteen Years“, „Last Man Alive“, „One Way“, „Make Me Happy“, „Wild As Angels” und „Come On“ überzeugen mit eingängigem, schwungvollem Mainstream-Pop. „Together All The Way” und „Carry Me” sind Folk-Nummern mit abwechslungsreicher Instrumentierung und griffigen Refrains. Belebenden Indie-Folk mit einer guten Melodie hört man bei „World Freakshow“. Im Gegensatz zu vielen anderen Folk-Rock-Bands dosieren die Levellers den häufigen dominanten Einsatz der Fiddle als Lead-Instrument auf das Nötige. Sie benutzen dieses Stilmittel nicht als solistische Selbstdarstellung. Das führt dazu, dass sie sowohl bei Folk-Rock- als auch bei Folk-Punk-Fans anerkannt sind. Das Timbre des Sängers und Gitarristen Mark Chadwick erinnert stellenweise an den verruchten, leicht kratzigen Schmelz eines John Lennon, was den Songs einen vertrauten Charakter verleiht.

Leider halten längst nicht alle Tracks das hohe Niveau der beschriebenen Beispiele. Die Band bleibt zwar stets sympathisch in ihren Bemühungen und hat ihr Material auf eine wirkungsvolle Präsentation bei Live-Auftritten zugeschnitten, aber es gibt auch Lieder, die für den Hausgebrauch nicht taugen. So hat „Dog Train“ einen banalen Refrain und „Fantasy“ keine zwingende Melodie. Die Anbiederung an modernen Dance-Pop steht „Too Real“ gar nicht und „Liberty“ passt in seiner biederen und drögen Trinklieder-Art eher zu den Bots. Auch das Experiment, exotische Sounds (Trommeln, Dschungel-Feeling, Didgeridoo-Synthesizer, orientalische Beigaben) mit Sprech-Gesang und Folk-Einlagen zu mischen, ging völlig in die Hose („This Garden“). Außerdem haben die Spaß- und Schunkel-Nummern „The Devil Went Down To Georgia” und „Far From Home“ nur mittelmäßige, vorhersehbare Melodielinien.

Die Levellers sind auf der Bühne mit einem feierwütigen Publikum im Rücken sicherlich ein Erlebnis. Als Konserve reicht die Substanz des Doppelalbums nicht aus, den Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit hochzuhalten.

Anspieltipps:

  • Fifteen Years
  • What A Beautiful Day
  • Last Man Alive
  • Just The One
  • Julie (Feat. Frank Turner)
  • Make You Happy
  • Wild As Angels
  • Come On
  • Together All The Way
  • Carry Me
  • World Freakshow

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