Georg Auf Lieder - Alexanderplatz - Cover
Große Ansicht

Georg Auf Lieder Alexanderplatz


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Alexanderplatz“ ist eine Produktions-Ode an den Massengeschmack.

Warum nennt ein Hamburger Jung sein Debüt „Alexanderplatz“? Was bei egozentrischen Hauptstädtern als Affront durchgehen könnte, ist letztlich eine Ode des Musikers an Berlin. Denn dort hat sich Georg mit Liedern durchgeschlagen und letztlich einen Vertrag bei Universal eingeheimst. Mit dem emotional dreinschauenden Typ von nebenan auf dem Cover hat der Silberling jedoch nicht mehr allzu viel gemein. Dem großen Label gerecht werdend ist „Alexanderplatz“ eine aufs Radio hin produzierte Scheibe geworden, die nicht einmal auf dem Etikett mit dem Singer/Songwriter-Genre werben können sollte.

Ein Gegensatz-Song wie Christina Stürmers „Ich Lebe“ ist neben einer Vielzahl an austauschbaren Liebesliedern vertreten und soll für die angenehme Hintergrundausfüllung des Alltags genügen. Und natürlich lassen sich Tracks wie „Sommer“ problemlos über TV-Vorschauen legen und drücken irgendwie nichts aus. Bloß nicht zu speziell werden, damit sich auch jeder zu diesen Liedern verlieben kann. Besonders auffällig ist dies, wenn Hymnen für beleibte Menschen („Schwer In Ordnung“) und Kiffer („Patrick“) textlich abgehackt und äußerst stereotypisch mit diesen Themen umgehen.

Die „echten“ Gefühle lassen sich während eines „Löcher In Den Hosentaschen“ und „Videothek“ erahnen, doch gerade in letzterem Fall besticht der Song in erster Linie, wenn nicht gesungen wird. Aber auch die eine oder andere starke Zeile, die nicht einfach nur abstrakte Alltagsbeobachtungen darstellt, kann Georg Auf Lieder mit den letzten Tönen des Albums noch ins Rennen schicken. Ausreichend für ein gutes Stück Musik ist das aber natürlich nicht. Die beschwingten Gassenhauer, die als Straßenmusik bestimmt eine nette Abwechslung sind, fallen durch die Bank flach. Und statt großen Gefühlen und lieblichen Kleinoden wird die leicht verdauliche Musik von unbestimmten Texten begleitet.

Vielleicht sind die Verantwortlichen dieses Albums einfach über das Ziel hinausgeschossen und wollten aus einem Geheimtipp zu schnell eine Stadionsensation basteln. Die Texte gab es allerdings auch schon vorher und so muss sich auch der Künstler selbst in dieser Hinsicht hinterfragen. Dass Georg uns von der Liebe (und Hamburg) erzählen möchte, ist allein noch nicht genug. Es braucht die Zeilen, die Hörer am Herzen packen und Musik, die auch mal leidet. So wirkt die Musik eher wie authentisches Rauschen für Emotions-Touristen und nicht wie behutsames Polieren von gefühlvollen Song-Perlen.

Anspieltipps:

  • Videothek
  • Möwen
  • Löcher In Den Hosentaschen

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Georg Auf Lieder“
comments powered by Disqus