Jonathan Boulet - Gubba - Cover
Große Ansicht

Jonathan Boulet Gubba


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 34 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Jonathan Boulet will auf „Gubba“ laut und ungestüm klingen. Ohne erkennbares Konzept ist das allerdings noch kein Qualitätsmerkmal.

Direkter und grobkörniger sollte „Gubba“ klingen. Nun, dieser Vorsatz konnte umgesetzt werden. Herzlichen Glückwunsch an Jonathan Boulet. Während er sich über diese Lorbeeren freuen darf, müssen sich Hörer jedoch auf ein schwerfälliges Album gefasst machen, das neben Härte nicht viel zu bieten hat. Nachdem „Hold It Down“ und „Creeper“ das Album mit hallender Stimme und krachenden Instrument-Schritten eröffnet, wird schnell deutlich, dass es dem jungen Mann um Stil und nicht um Melodien ging.

Auch in „Is Anybody Dooming?“ kommt es nicht darauf an, dass bei Hörern etwas hängen bleibt. Jede Gitarre muss leicht verstimmt und mit einer unvergleichlichen Schwere einen Faustkampf mit den Drums austragen. Besonders deutlich wird dieser Zwang in „You're A Man“, welches auch in Pop oder Folk mit seiner Grundmelodie funktionieren würde. Denkt man sich die gewollt schrägen Töne und die Emphasis auf bloßem Krach weg, hätte sich hier ein recht konventioneller Song stricken lassen. Aber nicht mit Herrn Boulet! Wenn die Lieder nicht an Nasenbluten und die Lust auf Aspirin erinnern, dann sind sie nicht richtig.

Es ist bestimmt ein netter Hintergedanke, dass der Garage-Sound nicht in Vergessenheit geraten soll, doch Jonathan Boulet spielt schlichtweg mit einem Stereotyp. Garage muss nicht verkrampft falsch gespielt und schief klingen. Es geht darum, wie bei live aufgenommenen Alben einen gewissen Sound zu erschaffen, der bei Hochglanzproduktionen oft verloren geht. „Gubba“ ist mehr eine perfide und irgendwie auch perverse Kunstform dieser Authentizität. Der „echte“ Sound wird nachgeahmt, was in immer wieder gleich klingenden Krachtiraden endet. Boulets Musik ist viel zu sehr damit beschäftigt, hart genug zu klingen, als dass die Musik oder eine Stimmung ans Tageslicht kommt.

Spätestens wenn mit „Set It Off“, „Fuddy Duddy“ und „Derros“ drei nichtssagende Titel in jeweils unter 90 Sekunden ziellos aus den Boxen knallen, kann man ohne schlechtes Gewissen mit dem Kopf schütteln. Boulet vergreift sich an einem Stil, ohne ihn zu begreifen oder ein eigenes Konzept zu verwenden. Wenn „Strut King“ zum x-ten Mal versucht, ein weiterer cooler Rocker zu sein, kann der Zuhörer schon nicht mal mehr müde lächeln. „Gubba“ ist vom Titel selbst über die einzelnen Tracks ein Album zum Überhören. Wobei das schwer fällt, weil dieses Musik gewordene Kauderwelsch so viel Lärm um nichts macht.

Anspieltipps:

  • Hold It Down
  • Creeper
  • You're A Man

Neue Kritiken im Genre „Folk-Rock“
Diskutiere über „Jonathan Boulet“
comments powered by Disqus