Blitzmaschine - Turbine - Cover
Große Ansicht

Blitzmaschine Turbine


  • Label: Danse Macabre/ALIVE
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
2/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Alle Mann zum Drogentest! Alle!

Es gibt Dinge, die wollen einfach nicht zusammen passen. Tennissocken und Sandalen, Gourmetessen und England, Rhetorik und Lukas Podolski. Wenn einem dann doch mal eines dieser seltsamen Wortpaare in der Realität unterkommt, stellt sich unweigerlich die Frage, wie denn das jetzt passieren konnte und überhaupt was das soll. So ähnlich fühlt man sich auch beim Hören von „Turbine“, der neuen LP der Hamburger Electro-Formation Blitzmaschine.

Tiefgründige Texte und derbe Beats. Noch so eine Kombination des Grotesken. Das muss natürlich keinesfalls heißen, dass sie nicht funktionieren kann, Blitzmaschine liefern jedoch eine knappe Stunde allerbestes Beweismaterial dafür, dass sie es nicht tut. Beispiel gefällig?

Im Titel Burnout geht es um - Trommelwirbel - den Hang weiter Teile der Bevölkerung, an eben jenem unschönen Syndrom zu erkranken. „Alle haben nur noch Burnout. Investition in Depression. Denn wir haben alle Burnout. Bei dem Investor sind wir kleinlaut.“ Paaren sich die lyrischen Fähigkeiten von Scooter mit den musikalischen von... naja Scooter eben, dann kommt dabei gezwungenermaßen nur halbgarer Soundbrei ohne Daseinsberechtigung heraus.

Offenbar ist man sich auch in der PR-Abteilung der Hamburger darüber im Klaren, dass sich „Turbine“ bei aller Mühe mit inhaltlicher Tiefe nur schwer anpreisen lässt. „Da das Leben glücklicherweise nicht nur aus einem Konstrukt anklagewürdiger Themen besteht, haben Blitzmaschine auch Songs für das Album geschnürt, die eine erfrischende und motivierende Leichtigkeit mit sich bringen.“ Gemeint sind „Electro Rider“ und „Everybody“. Wer hier motivierende Leichtigkeit verspürt, möge schleunigst die Tablettenzufuhr reduzieren. Immerhin: Die Peinlichkeit der Texte scheint bei den genannten Tracks Absicht. Eine gescheiterte Pointe ist besser als Pseudo-Tiefgründigkeit.

Sieht man von der inhaltlichen Diarrhö ab, bleiben belanglose Beats und lieblos hingerotzte Samples. Freunde von HP Baxxter bleiben ihrem Idol besser treu, bei Scooter ist die stupide Bum-Bum-Mucke wenigstens Kalkül, um der Band einen über die Grenzen des Landes reichenden Kultstatus zu verschaffen. Blitzmaschine, und so lässt sich „Turbine“ ganz wunderbar in zwei Silben zusammenfassen, sind schlichtweg peinlich.

PS: Für einen Anspieltipp reicht das nun wirklich nicht, aber „War of the religions“ kommt mit Abstand am erträglichsten daher. Angeprangert wird dabei übrigens religiöser Fanatismus. Deep.

Anspieltipps:

  • War of the religions

Neue Kritiken im Genre „Industrial-Rock“
6/10

A Million Degrees
  • 2018    
7.5/10

The Sheltering Sky
  • 2015    
Diskutiere über „Blitzmaschine“
comments powered by Disqus