The Excelsiors - Control This - Cover
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The Excelsiors Control This


  • Label: BBE/ALIVE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

The Excelsiors liefern ein Referenzwerk für die Verbindung von Reggae und Soul ab, welches traditionsbewusst und innovativ zugleich ist.

The Excelsiors sind keine Band im üblichen Sinne, sondern das Projekt des Produzenten, DJs und Komponisten Shane „Sureshot" Hunt. Am Mikrofon erhält er bei seinem Vorhaben Unterstützung von der Northern Soul-Legende The Mighty Pope sowie von der Sängerin der HipHop-Formation „Blackalicious“, Omega Rae. Die konzentriert-eindringlichen Gesangsbeiträge bilden einen reizvollen Gegensatz zu der beschwingt-geschmeidigen Instrumentierung. Stilvoll austarierte Soul- und Reggae-Zutaten wurden facettenreich verziert. Die Musik kann grundsätzlich als „Old School“ bezeichnet werden, denn im Jamaika der frühen Sechzigerjahre wurden bereits US-Soul-Hits in milde Reggae-Schwingungen versetzt. Doch den hier präsentierten Stil-Verschnitt hat es in dieser Form vorher nie wirklich gegeben - und das liegt nicht nur an der willkommenen Belebung von Steelpans als Lead- und Rhythmus-Beigaben. Dieses Instrument wird ansonsten vorwiegend in der Karibik beim Calypso eingesetzt. Ursprünglich wurden dabei leere Öl-Fässer mit Klöppeln angeschlagen. Der dabei entstehende metallisch-klirrende Klang sorgt für eine eigenwillige, attraktive und exotische Klangfarbe.

Der Sound von „Control This“ verfügt über eine innere Spannung, die sich durch kompakte Instrumentenführung und den seelenvollen, aber beherrschten, strengen Gesang äußert. Shane Hunt zeigt, dass er als Arrangeur ein As ist. Er beweist das besonders bei der Realisierung der vielen Cover-Versionen. Nur ein Könner versteht es, aus Original-Vorlagen überraschende Versionen zu zaubern. Diese transportieren respektvoll den Geist der Songs und fördern als Ergebnis eine neue Sichtweise zu Tage. So wird aus der Westcoast-Pop-Nummer „It`s Too Late” von Carole King eine bewegende Southern-Soul-Hymne. Der mitreißende Ska-Pop „Mirror In The Bathroom“ der britischen The Beat ist im Original allerdings kaum zu toppen. Shane Hunt überführt den Titel in ein stoisches, maschinenhaft klingendes Gerüst, das von versöhnlichen, weiblichen Background-Chören durchzogen wird. Dadurch bekommt die Komposition eine völlig neue, barsche Ausrichtung. Der kalten, elektronischen Dance-Nummer „Lookout Weekend“ - 1987 interpretiert von Debbie Deb - verleihen die Excelsiors Würde und einen edlen Afrobeat-Groove. Die Songs werden aber nicht mit der Brechstange auf Tanzbarkeit getrimmt. Vielmehr herrscht eher eine ernsthafte Aura, die stimmungsmäßig an Marvin Gaye`s Meisterwerk „What`s Going On“ (1971) oder an abgeklärte Aufnahmen von Bill Withers („Ain`t No Sunshine“) erinnert. Selbst ein Titel wie „Sunshine Music“ wird zum wütenden Statement gegen jede Form von Belanglosigkeit.

Retro-Sounds aus den Bereichen Soul und Funk liegen ja zurzeit im Trend. Künstler wie Sharon Jones oder Charles Bradley haben sich damit schon eindrucksvoll zu Wort gemeldet. The Excelsiors spielen qualitativ mindestens in der gleichen Liga. Trotz der deutlichen Verweise auf historische Vorlagen haben sie ihren Output innovativ, frech und frisch umgesetzt und noch um die Komponente „Reggae“ erweitert. Damit stehen sie in diesem Jahr bisher konkurrenzlos da.

Anspieltipps:

  • It`s Too Late
  • Lookout Weekend
  • People Make The World Go Round
  • A Land Far Away (Satta Massagana)
  • Mirror In The Bathroom

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