Vessel - Punish Honey - Cover
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Vessel Punish Honey


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Industrie, verfremdet. Klirrender Soundtrack des Stahlarbeiters.

Presslufthämmer, tosende Hörner und metallisch-klirrende Percussion: Sebastian Gainsboroughs zweiter Longplayer ist ein Festival der schrägen Töne und stampfenden Rhythmen. Von seinem ruhigen, melodischeren Debüt als Vessel, „Order Of Noise“, hat sich der Brite zugunsten härterer Klänge zwar nicht ganz verabschiedet, doch Techno und Noise spielen auf „Punish, Honey“ eine wesentlich größere Rolle.

Marschierend und jaulend bäumt sich so nach dem Intro der Song „Red Sex“ auf, in dem zwei verzerrte, jammernde Gitarren um Aufmerksamkeit buhlen, dazu ein Scharren wie von Lokomotiven. Faszinierend, doch das Gequietsche der Gitarren ist gewöhnungsbedürftig und sicherlich kein Stoff für gestresste Gemüter. „Drowned In Water And Light“ setzt diese industrielle Ästhetik fort, schreitet jedoch eher behäbig voran. In Kombination mit den sphärischen Synthies erinnert das doch stark an die Labelkollegen Forest Swords. Leichtere, weil unaufdringlichere Kost als „Red Sex“ ist „Drowned...“ jedoch allemal.

Raue Texturen und ein Hang zu schräger Verzerrung, der Gitarren und Orgel klingen lässt wie Dudelsäcke, vereinen all die Tracks jedoch unter zwei gemeinsamen Bannern. Zum einen ist das Sebastians eigenes, zum anderen ist es das von Tri Angle Records, die unter anderem mit den erwähnten Forest Swords sowie Balam Acab, The Haxan Cloak und Fatima Al Qadiri einiges an elektronischem Vordenkertum unter Vertrag haben. Dass Vessel da eigentlich keine Probleme hat mitzuziehen, hat er in der Vergangenheit schon bewiesen. So fühlt sich dieses Album auch stark nach einem Tri Angle-Release an.

Doch „Punish, Honey“ schwächelt, wo „Order Of Noise“ wenig Nachholbedarf vermuten ließ. Die Quelle an metallischen, ächzenden Sounds scheint auf dem Zweitwerk doch sehr schnell erschöpft. Deutlich bemerkbar macht sich das in den eher Beat-lastigen Tracks wie „Kin To Coal“ und „DPM“. Glitch-Sounds und Verzerrungen klingen kaum anders als bei den Vorgänger-Tracks. Damit werden die eher noisigen Elemente zwar vom Geräusch zu regulärem Instrument erhoben, erweisen einem in Ästhetik und Stil ohnehin schon einheitlichen Album in Sachen Abwechslung allerdings eher einen Bärendienst - gerade bei einem Werk, das keine Aufmerksamkeit für andere Dinge lässt.

Anspieltipps:

  • Drowned In Water And Light
  • Anima
  • Kin To Coal

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