Witch Mountain - Mobile Of Angels - Cover
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Witch Mountain Mobile Of Angels


  • Label: Svart Records/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Doom Metal auf allerhöchstem Niveau, der besonders in gesanglicher Hinsicht absolut erhaben ist.

Wenn es ein Genre im Metal gibt, das noch innovativ, spannend und in gewisser Hinsicht unverbraucht ist, dann ist es mal abgesehen vom verwandten Post Metal der Doom. US-amerikanische Gruppen wie die schlichtweg fantastischen SubRosa aus Salt Lake City oder Sleep aus Oakland lüften das Zimmer und sorgen für frische Brisen, während europäische Bands vom Schlage Ahab oder Hamferð die großen Referenzen von Morgen sind, die irgendwann mal das komplette Subgenre anführen dürften. Und seit 17 Jahren steht ein Witch Mountain in Portland, Oregon, welcher nach und nach eine Größe und Höhe angenommen hat, die nicht mehr zu leugnen ist. Mit ihrem vierten Studioalbum haben die Frontfrau Uta Plotkin und ihre Jungs wahrscheinlich den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht. Vielleicht. Ihr „Mobile Of Angels“ ist jedenfalls ein solches Brett geworden, dass eigentlich nur noch in Superlativen gesprochen werden darf.

Um direkt zur Frontfrau Uta Plotkin zu kommen: Es ist ein enormer Verlust, dass sie im Sommer 2014 ankündigte, Witch Mountain zu verlassen, um sich neuen musikalischen Projekten widmen zu können. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass ihr Gesang zur absoluten Speerspitze des Female-Fronted-Dooms gehört - wenn er nicht gar die absolute Referenz ist! Neben einer unbändigen Energie mit souligem Einschlag überzeugt Plotkin besonders dann, wenn sie ruhigere Töne anschlägt und eine überraschende Zerbrechlichkeit zeigt. Gerade in der Kombination mit einem melancholischen, beinahe intimen Doom-Kriecher wie „The Shape Truth Takes“ entsteht ein außerordentlicher, hypnotisierender Strudel, dem man sich nur schwer entziehen kann. Auf der einen Seite steht eine ausgeklügelte, faszinierende Komposition für den absoluten Connaisseur des Genres, auf der anderen eine (beinahe) massentaugliche Ballade, die einem geneigten Hörer klammheimlich eine sehr schwierige Spielart des Metals untermischen kann. Wie dem auch sei: Man kann die Leistung der Frau Plotkin nicht genug loben!

Und ansonsten feuern ihre drei männlichen Kollegen ein Doom-Feuerwerk ab, das mit allen Wassern gewaschen ist und das nach allen Regeln der Kunst die ganz eigene Faszination des Genres jederzeit zelebriert. Eine enorme handwerkliche Leistung trifft auf gutes Songwriting, Atmosphäre und diesen ganz besonderen Sog, welchen man schon bei anderen Großtaten des Genres erleben durfte. Das Herz des Albums ist ohne Frage „Your Corrupt Ways (Sour The Hymn)“: ein sorgfältig geschriebener Longtrack, herrlich klimatisch aufgebaut, zähflüssig wie Lava und gerade durch den streckenweise sanften Gesang enorm facetten- und kontrastreich. So manche Band, sei sie nun im Prog oder Doom beheimatet, welche unbedingt die magische Zehn-Minuten-Grenze überschreiten will, soll es gefälligst so machen und nicht einfach orientierungslos herumjammen. Ansonsten? Ob nun der energische, schnellere Stoner-Ausflug in Form des Openers „Psycho Animundi“, das zermahlende, fuzzige „Can't Settle“ (inklusive Growls von Uta Plotkin) oder die emotional geladenen, kürzer geratenen „Don't Look Around“ oder der Titeltrack selbst: Witch Mountain verstehen ihr Handwerk und geizen nicht mit Höhepunkten.

Das macht „Mobile Of Angels“ zu einem absoluten Genre-Highlight, das sich Doom-Freunde nie und nimmer entgehen lassen dürfen. Abwechslung schreiben die US-Amerikaner groß und neben vielen großen Melodien, der bereits erwähnten phänomenalen gesanglichen Leistung und einer gesunden Härte, welche genau wie ruhigere Passagen pointiert und bewusst eingesetzt wird, gibt es eine ganze Menge zu entdecken. Da sollte es schwierig werden, nach dem Abgang der Sängerin das Niveau halten zu können - bis dahin werden Fans von Band und Genre aber ihre helle Freude mit „Mobile Of Angels“ haben. Dieses Werk ist für absolute Liebhaber und Kenner von Doom gemacht und zweifelsohne eines der besten Metal-Alben des Jahres!

Anspieltipps:

  • Psycho Animundi
  • Can't Settle
  • Your Corrupt Ways (Sour The Hymn)
  • Mobile Of Angels
  • The Shape Truth Takes
  • Don't Look Around

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