Tomas Tulpe - Wie Wär´s Mit Senf? - Cover
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Tomas Tulpe Wie Wär´s Mit Senf?


  • Label: Zett Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie wär’s mit Maul halten?

Es soll Leute geben, die steif und fest behaupten, dass es Musikjournalisten einen Heidenspaß bereitet, gnadenlose Verrisse zu verfassen. Viel mehr noch, als ein ordentliches Album differenziert zu besprechen. Das mag sogar stimmen, ungestraft über musikalische Übeltäter herzuziehen ist etwas ganz Wunderbares. Was viele vergessen ist jedoch, dass der Redakteur gemeinhin einen hohen Preis für sein Vergnügen bezahlt. Er muss das Album schließlich vorher hören.

„Ich hab nur Knete im Kopf. Ich hab den Schuss nicht gehört. Ich hab nur Knete im Kopf. Ich bin total gestört.“ Tomas Tulpe erspart es dem Hörer mit dieser erfreulich realistischen Selbsteinschätzung im Refrain von „Knete im Kopf“, dieses vernichtende Urteil selbst zu fällen. Beweismaterial findet sich unter anderem auf der offiziellen Homepage des „Künstlers“ - nennen wir ihn ein letztes mal in dieser Review so. Vor gekacheltem Hintergrund schüttet sich der Mann einen Eimer Senf übers Haupthaar um so subtil und elegant auf den Albumtitel zu verweisen. Man muss keinen Ton der Platte gehört haben, um deren inhaltliche Überflüssigkeit zu erahnen.

Und da geht es auch schon los: „Ich brauch sofort nen Drink, an der Bar ne geile Maus. Ich frag sie wie sie heißt, sie sagt ‚Klaus’.“ Untermalt von Discouter-Beats flüchtet sich Tulpe von einer erbärmlichen Pointe in die nächste, einen stets im Unklaren lassend, ob er all den Schmonz wirklich für lustig hält oder sich selbst parodiert. Ersteres stimmt nicht, Letzteres wäre traurig.

Nun ist es durchaus möglich, mit Klamaukmusik qualitativ annehmbare Kunst hervorzubringen. So scheiden sich an Helge Schneider zwar die Geister, seine Fans führen jedoch nicht zu Unrecht das zweifelsohne vorhandene musikalische Talent Schneiders an. Wer selbiges bei Tomas Tulpe entdeckt, solle sich bitte melden.

Sicher wird es Leute geben, denen „Wie wär’s mit Senf?“ einen Heidenspaß bereitet. Und wie lustig werden Titel wie „Hausverbot im Späti“ oder „Fett schwimmt oben“ erst, wenn man rotzendicht vom Tresen zum Klo taumelt. Vielleicht ist ja gerade das die traurige Pointe von Tulpes zweiter Platte: Sie ist nur betrunken auszuhalten. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn: „Aldi-Bier schmeckt Scheiße“. So nämlich.

Anspieltipps:

  • Eis
  • Nimm die Hände aus den Taschen mein Junge das sieht doch nicht aus

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