Philm - Fire From The Evening Sun - Cover
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Philm Fire From The Evening Sun


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch ein Minzblättchen? Philm übernehmen sich maßlos und tanzen auf zu vielen Hochzeiten.

Wenn es etwas kulturell Wertvolles an Philms Album „Fire From The Evening Sun“ gibt, dann die Möglichkeit, an Monty Python zu erinnern. Der überfressene Mann im Restaurant in „Der tiefere Sinn des Labenz“ will auf das Minzblättchen verzichten. Irgendwann ist einfach mal gut. Wenn es schon zu allen Ecken und Enden hinaus quillt, dann sollte es gut sein. Was mit dem Verzehr des Minzblättchens geschieht, sollte allgemein bekannt sein. Wenn nicht, darf der herrlich schräge Humor der Briten gerne nachgeholt werden.

Durch den Vergleich mit diesen komödiantischen Legenden soll die Kritik an Philm etwas weniger heftig klingen. Denn Philm wirken so, als würden sie ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, ein paar Stoner-Bands und The Mars Volta in sich vereinen. Wenn man nun bedenkt, dass selbst The Mars Volta oftmals Probleme hatten, ihre Gedanken zu fokussieren, können sich Hörer die anstehenden Probleme Philms bereits vorstellen. Dass hinter dem ganzen Projekt mit Dave Lombardo noch ein Musiker aus dem Thrash Metal kommt, macht es nicht leichter für die Musiker sowie für die Ohren der Zuhörer.

Zugute kann Philm gehalten werden, dass sie sofort am Anschlag sind. Von den ersten Momenten des Openers „Train“ gibt es nur noch die höchste Gangart. Tracks wie „Lady Of The Lake“ rauben einem schon einmal den Atem und ein paar Nerven. Die Ekstasen bei Live-Auftritten und akuten Luftgitarrenanfällen sind vorprogrammiert. Das klingt erst einmal gar nicht so verkehrt. Leider ist dieser Volle-Kanne-Ansatz auch sehr kraftraubend. So merkwürdig es klingt, ist es schlichtweg anstrengend, dieses Album zu hören.

Vom Krautrock in „Silver Queen“ über besagte progressive Töne in „Lady Of The Lake“ und tatsächlichen Thrash Metal in „Fanboy“ gibt es auf „Fire From The Evening Sun“ sehr viel zu hören, aber hängen bleibt davon nur wenig. Jeder Track versucht seinen Genre-Mix möglichst eindeutig durchzudrücken. Das abschließende „Corner Girl“ hätte eine richtig schöne Songwriter-Perle sein können, doch durch den Kontext fühlt sich dieser Abschluss nach einer Bonus-Nummer an. Auf sich allein gestellt trompetet es im Mariachi-Stil vor sich hin und Hörer werden sich zu Recht fragen, was diese kraftzehrende Tour sollte. Wirklich glücklich wird wohl kein Anhänger einer bestimmten Richtung, während Lombardo sich einmal ordentlich austoben darf.

Anspieltipps:

  • Lady Of The Lake
  • Fanboy
  • Corner Girl

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