Flying Colors - Second Nature - Cover
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Flying Colors Second Nature


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch trotz neuer Ansprüche und Ausrichtungen kämpft das Projekt Flying Colors mit altbekannten Schwächen.

So manch einer wird sich ehrfürchtig in den Staub geworfen haben. Von der reinen Besetzung her ist Flying Colors mit Namen wie Portnoy und Morse natürlich auch schon ein Raunen der Massen wert. Ähnlich wie bei einem Film mit Star-Besetzung ist das Ensemble jedoch nur nebensächlich, wenn die Hauptsache nicht stimmt. In diesem Fall ist das die Musik, die schon auf dem selbstbetitelten Debüt „Flying Colors“ den nötigen Feinschliff und den Prog-Anteil hat vermissen lassen. Abgesehen davon, dass die Band auch diesmal mit überlangem Opener und Closer als Prog-Projekt zu überzeugen versucht, ist „Second Nature“ viel stärker von Classic-Rock inspiriert. Das gibt der Band zwar die dringend benötigte Linie, aber nicht unbedingt die zündenden Ideen.

Kaum einer hätte wohl noch erwartet, dass Flying Colors den geradlinigen, knackigen Rock wie in „Mask Machine“ beherrschen. Der Track könnte bis auf wenige starke Momente zwar von einer beliebigen Band stammen, doch einfach nur die flüssige Spielfreude zu hören, stimmt froh. Überhaupt scheint sich in der ersten Hälfte ein ähnlicher Ansatz zu finden, der Muse zu Zeiten von „Origin Of Symmetry“ ausgemacht hat. Eine Frechheit! Diese Herren mit den (nicht mehr wirklich) Jungspunden von Muse vergleichen? Nun, in dieser zugänglichen Form muss wohl ein solcher Vergleich gezogen werden und auch wenn besagter Titel und „Bombs Away“ auf Muse-Alben gepasst hätten, wären diese Lieder nur starke Unterstützung und nicht die Stars.

Vielleicht hat auch die Band gemerkt, dass die Ideen in diesem Bereich nicht genügen und sich deshalb auf Classic-Rock gestürzt, der hier und da ein wenig nach Space-Rock klingt. „The Fury Of My Love“, „Lost Without You“ und die schönen Gesangslinien im Opener hätten aber auch noch von Chicago inspiriert worden sein können. Spätestens wenn minutenlange Chöre mit Vokaltönen erklingen, um einen Song ausufernd enden zu lassen, merkt man aber, dass die Band nicht wirklich weiß, wie sie von den Prog-Elementen lassen soll. Das sorgt dafür, dass der solide, wenn auch frei von wirklichen Höhen gelassene Hauptteil des Albums durch die abschließenden drei Titel des Albums ordentlich an Fahrt verliert. Gewollt episch klingende Soundscapes ergießen sich in ihrer eigenen Mittelmäßigkeit. Das macht die Titel noch nicht zu Ausfällen, doch ausgerechnet auf den Schwächen des Albums rumzureiten verbessert das Bild des Albums nicht gerade.

So kann festgehalten werden, dass Flying Colors sich leichter damit tun, nicht möglichst vertrackte Lieder schreiben zu müssen. Der Classic-Rock führt den besser organisierten Musikern aber hoffentlich auch vor Augen, dass ein Lied für die Ewigkeit nicht einfach so nebenbei geschrieben wird. Ein bisschen erinnert das Hören dieses Albums daran, wenn alte Classic-Rock-Scheiben gehört werden und man sich dabei ertappt zu denken: Stimmt, ich hatte ganz vergessen, dass diese Bands nicht nur Klassiker, sondern auch ein paar nebenher laufende Nummern geschrieben haben. Und an diese erinnern sich aus gutem Grund nicht allzu viele.

Anspieltipps:

  • Mask Machine
  • Bombs Away
  • The Fury Of My Love

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