Minus The Bear - Lost Loves - Cover
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Minus The Bear Lost Loves


  • Label: Big Scary Monsters/ALIVE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Progressive Rock verschmilzt mit Pop. Was unvereinbar erscheint, lösen Minus The Bear souverän.

Alte neue Musik von Minus The Bear, der verschrobenen, progressiv ausgerichteten Pop-Band aus Seattle, die sich dort schon im Jahr 2001 zusammengefunden hat. „Lost Loves“ ist ein Album mit Outtakes und Raritäten aus dem gesamten Schaffenszeitraum dieser ungewöhnlichen Truppe. Das Besondere dabei ist, dass sie die bisher nicht gebührend gewürdigten Tracks nicht einfach nur zusammen gesammelt haben, sondern viele von ihnen neu eingespielt oder abgemischt worden sind. Qualitativ handelt es sich dabei nicht um Ausschuss, sondern durchaus um geschätzte Ideen, die bisher aber nicht ins Konzept passten oder nur als B-Seiten verbraten wurden.

Was erwartet den unbedarft auf die Formation aufmerksam gewordenen Hörer eigentlich? Nun, die Musiker spielen mit unterschiedlichen formellen Ausdrucksformen und abwechselnden schillernden Klangfarben. Strukturen werden verschachtelt und verschoben, Eindrücke während des Songs verändert und verlagert. Ist das Progressive-Rock? Was die unbekümmerte Verspieltheit angeht: Ja. Was die allgemeine intellektuelle Kopflastigkeit des Genres angeht: Nein. Man hat es weitgehend mit ohrenfreundlichen Songs zu tun, die allerdings phantasievoll variiert und ausgestaltet werden. Gegenläufige Melodie/Rhythmus-Geflechte sind dabei das Markenzeichen des Quintetts.

Beim Opener „Electric Rainbow“ kommen noch funkensprühende Gitarren-Licks, ein dynamischer Aufbau und ein druckvoller Ablauf hinzu. Tanzende, wirbelnde Töne drehen sich wie ein unbarmherziger Akku-Schrauber in die Gehörgänge. Sänger/Gitarrist Jake Snider führt selbstbewusst durch diese schwindelerregende Fahrt. Das ist der Eindruck, den auch „Surf `N` Turf” hinterlässt. Melodisch erinnert das manchmal an Genesis unter Phil Collins. Der Pop-Anteil steht hier aber nicht so im Vordergrund. Minus The Bear basteln an einer Kombination, die sowohl die Sperrigkeit des Prog-Rock auflöst, wie auch die klebrige Süße des Mainstream-Pop mildert. Hastig und ruhelos drängt „Broken China“ vorwärts. Die Spannung entlädt sich schlagartig in eruptiven Hard-Rock Gitarren-Soli. Den heimlichen Hit haben sich die Musiker aber bis zum Schluss aufgespart. „The Lucky Ones“ überzeugt durch eine intelligente Melodieführung. Der zuversichtliche Gesang unterstützt dabei perfekt den perlend-schwebenden Zustand des Songs, der dadurch vertraut und geheimnisvoll zugleich wirkt.

Für eine Sammlung von eigentlich nicht zusammen gehörenden Aufnahmen wirkt „Lost Loves“ relativ homogen. Manchmal möchte die Band allerdings zu viele Ideen in einem Song unterbringen. Sie riskiert dabei, den roten Faden zu verlieren. Dann geht der Spieltrieb mit ihr zu Lasten einer straffen Songstruktur durch. Aber das sind nur marginale Kritikpunkte an einer grundsätzlich erfrischenden, abwechslungsreichen, unkonventionellen Vorgehensweise. Die Jungs haben Stil und verstehen es - wie sie es selbst formulieren - die Balance zwischen eingängigen Formen, Gitarren-Exkursionen und fortschrittlichen Strukturen zu halten.

Anspieltipps:

  • Electric Rainbow
  • Surf `N`Turf
  • Broken China
  • The Lucky Ones

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