Cannibal Corpse - A Skeletal Domain - Cover
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Cannibal Corpse A Skeletal Domain


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Fire Up The Chainsaw! Cut Their Fucking Heads Off!

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu. Das Vogelgezwitscher wird immer leiser und die Sonne verkriecht sich lieber wieder auf die andere Seite des Erdenrunds. Die besten Voraussetzungen also, um die Kettensäge aus dem Gartenhäuschen zu holen und die morsch gewordenen Äste des einen oder anderen Obstbaumes zu trimmen. Und wenn man schon dabei ist, aus einem Objekt Kleinholz zu machen, kann man diese Beschäftigung auch auf die lästigen Nachbarn ausdehnen und dem inneren Massenmörder freies Geleit lassen. Die eigenen vier Wände waren ohnehin längst langweilig in diesem eintönigen Elfenbeinweiß, da können ein paar rote Farbkleckse nicht schaden. Oh, Entschuldigung! Das sind nur ein paar Gedanken, die beim Hören des neuen Werkes des berüchtigten New Yorker Hackschnitzel-Vereins in den Sinn kommen, denn wie es zu erwarten war, hält sich das Death Metal-Urgestein auch nach mehr als 25 Jahren sklavisch an das Motto: Je blutiger, desto besser!

Dieses Credo geht auf dem 13. Album sogar so weit, das George „Corpsegrinder“ Fisher (Gesang), Pat O´Brien (Gitarre), Rob Barrett (Gitarre), Alex Webster (Bass) und Paul Mazurkiewicz (Schlagzeug) nicht mehr in ein zusammenhängendes, in sich geschlossenes Konstrukt investieren, sondern auf „Momente“ setzen, die es „in der Musikgeschichte noch nie gegeben hat.“ Den etwas trägen Ablauf des Death´n´Roll-Prüglers „Asphyxiate and resuscitate“, die Fokussierung auf einen starken Mitgrölpart („Kill or become“), den dummerweise fehlenden roten Faden in „The murderer´s pact“ oder die allgemein stur und maximal technisch beeindruckende Vorstellung eines „Bloodstained cement“, „Sadistic embodiment“ oder „Headlong into carnage“ können damit jedenfalls nicht gemeint sein. Hier bewegen sich Cannibal Corpse auf dem schmalen Grat zwischen bemühtem Füllmaterial und uninspirierter B-Seite.

Deutlich interessanter und bluthaltiger wird es hingegen im Opener „High velocity impact spatter“, der einfach als wildgewordenes Monster über den Hörer herfällt, während der Titeltrack noch einen Schritt weiter geht und mit kurzen Doom-Exkursen falsche Fährten legt und so das ahnungslose Opfer von hinten mit einem absolut tödlichen Groove niederstreckt. Den Wechsel zwischen „die Fingerkuppen fangen zu brennen an“ und „unser Schlagzeuger steht in Flammen“ bestehen Mr. Corpsegrinder und seine Mannen in den herausragenden Nummern „Funeral cremation“ und „Icepick lobotomy“ mit Schleudertrauma-Garantie und wem nach dem etwas behäbigen Midtempo-Stück „Vector of cruelty“ der Sinn nach einer Gesichtsveränderung durch Enthauptung steht, der wechselt zum letzten Track namens „Hollowed bodies“ und lässt seinen Gehörgang von saftigen Blastbeats durchpusten.

„A Skeletal Domain“ in die langjährige Diskographie der New Yorker einzuordnen, fällt etwas schwer. Einerseits liefert der Fünfer präzise, technisch beeindruckende Leistungen ab, die im Genre nur schwer zu toppen sind, andererseits vermisst der Fan der ersten Stunde aufgrund einiger antiklimaktischer Entscheidungen („The murderer´s pact“ opfert sein anfangs vielversprechendes Rhythmuskonstrukt beispielsweise einem mäßig überzeugenden Schlusspart) auf dem 13. Album mit Sicherheit das Gefühl, von einer ganzen Panzerarmee überrollt worden zu sein, deren Fahrer anschließend auf die plattgewalzten Überreste pissen. Die astreine, in allen Bereichen ausbalancierte Produktion von Mark Lewis (The Black Dahlia Murder, DevilDriver) macht zwar eine extrem gute Figur, das tröstet aber dennoch nicht darüber hinweg, das sich Cannibal Corpse beim nächsten Mal vielleicht besser wieder auf den Prozess des Zerstückelns, denn auf etliche andere unnötige Nebensächlichkeiten wie die Wahl des Schauplatzes oder die verwendete Waffe konzentrieren. Tötungen im Affekt waren schließlich schon immer etwas intensiver als minutiös geplante Opferungen.

Anspieltipps:

  • Hollowed Bodies
  • Icepick Lobotomy
  • Funeral Cremation
  • A Skeletal Domain

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