Wolf - Devil Seed - Cover
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Wolf Devil Seed


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept in einer Band. Noch Fragen?

Der Retro- und Old-School-Hype ist zwar schon seit längerer Zeit wieder auf Normalniveau zurückgegangen, aber dennoch gibt es ein paar hartnäckige Bands, die auf jedem neuen Album klingen, als müssten sie lauter und schneller sein als eine ganze Armada an Trittbrettfahrern. Wolf, die bereits im Jahr 1995 gegründet wurden und somit schon vor der großen Retrowelle ihren Idolen aus der Kindheit Tribut zollen wollten, kümmert das aber relativ wenig und sie ziehen auf jeder neuen Scheibe einfach ihr Ding durch und das bedeutet astreinen Heavy Metal zu bieten, der nicht nur klingt, als würde er von den Großmeistern des Genres geschrieben worden sein, sondern durch die perfekte Fusion aus Vergangenheit und Gegenwart einen zeitlosen Stempel übergezogen bekommt, der keine Wünsche offen lässt.

„Als wir in den 80ern aufwuchsen, entdeckten wir klassische Bands wie Saxon, Accept, Iron Maiden, Judas Priest oder Mercyful Fate. Das ist für mich Heavy Metal. Wir wollen einfach nur Heavy Metal spielen und nennen es auch Heavy Metal“, erklärt Sänger und Gitarrist Niklas Stalvind, der zusammen mit Simon Johansson (Gitarre), Anders Modd (Bass) und Richard Holmgren (Schlagzeug) mit dem neuen Album „Devil Seed“ die Abnutzungserscheinungen des Vorgängers „Legions Of Bastards“ (04/2011) abstreift und eine Zeitreise in die 70er- und 80er-Jahre unternimmt, die nur das Beste aus diesen Epochen extrahiert hat oder wie es der Pressetext ausdrückt: „Es ist Heavy Metal bis der Arzt kommt. Es ist Heavy Metal mit Extra-Leder und Extra-Stacheln. Es ist Heavy Metal ertränkt in Geilheit.“

Der Ritterschlag für Wolf besteht dieses Mal jedoch nicht aus der fulminanten Kombination aus einprägsamen Riffs und Melodien, die einem tagelang nicht aus dem Kopf gehen, sondern aus der unbekümmerten Haltung, die sich über die gesamte Länge von „Devil Seed“ zieht. Hier wird nicht über Konzepte aus Physik und Literatur schwadroniert oder über martialische Serienkiller gesungen, die zehn Songs sind einfach vordergründig Heavy Metal, um des Heavy Metals Willen. Natürlich thematisieren Wolf in ihren Texten den einen oder anderen menschlichen Abgrund, wie zum Beispiel im durchdachten „Skeleton woman“, oder evozieren Rachegelüste im hymnischen Albumender „Killing floor“, doch vorrangig geht es auf „Devil Seed“ trotzdem um Spaß an der Musik und das transferieren die vier Schweden dieses Mal in Brillanz.

Die Eröffnungsnummern „Overture in C shark“ und „Shark attack“ fungieren für dieses Unterfangen als so etwas wie der rote Teppich, der zackig und ohne falsche Bescheidenheit den Hörer zum befreiten Headbangen einlädt, während „I am pain“ das Riff des Jahres vom Stapel lässt und gemeinsam mit dem Refrain eine Sogwirkung entfaltet, der es sich nicht zu entziehen gilt. Mit aufjaulenden Leadgitarren rauschen Wolf in „Back from the grave“ und „Frozen“ vorbei, „The dark passenger“ und „River everlost“ verlassen sich gekonnt auf ihre dunklere Stimmung, die an Kurzfassungen eines Iron Maiden-Longtracks erinnern und mit „Surgeons of lobotomy“ zeigt der Vierer, dass er auch arschcoole Grooves im Midtempo beherrscht, während „My demon“ als einzige Schwachstelle mit halbherzigem Refrain auf der Stelle tritt. Unterm Strich ist „Devil Seed“ aber nichts anderes als die Erfüllung eines jeden Retro-Liebhabers und sollte durch die professionelle und keineswegs kitschige Demonstration der 70er- und 80er-Jahre Befindlichkeiten im Heavy Metal für jeden Fan handgemachter Musik eine Anschaffung wert sein.

Anspieltipps:

  • Frozen
  • I Am Pain
  • River Everlost
  • Surgeons Of Lobotomy

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