My Brightest Diamond - This Is My Hand - Cover
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My Brightest Diamond This Is My Hand


  • Label: Asthmatic Kitty/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Shara Worden alias My Brightest Diamond agiert ambitioniert, aber nicht kopflastig.

Schwebeklänge, die nicht versunken-vernebelt verpackt werden, sondern griffig und wach gestaltet sind, scheinen die Spezialität von Shara Worden, die als My Brightest Diamond Musik macht, zu sein. Als Eckpunkte für ihren ausgefeilten Sound kann man auf der 4. Veröffentlichung näherungsweise die überlegene Distanz von Portishead, die ungebremste Kratzbürstigkeit von Kate Bush und die Folk-Reinheit von Judy Collins heranziehen. Zwischen diesen Koordinaten geht die klare elfenhafte Stimme den schmalen Weg zwischen verschwommener Esoterik, Purzelbaum-schlagender, hohe Lagen erkundender Stimm-Akrobatik und ruhender Erzählkunst. Zusammengehalten wird das organisch angeordnete Konstrukt durch die einfallsreiche, jedem Song individuell zugeordnete Begleitung.

„Pressure“ bekommt aufmunternde Trommelwirbel und eine nach Jahrmarkt klingende Verzierung auf Marching-Band-Basis verpasst. Dieses Konstrukt wird immer wieder durch ausgleichende Passagen am Überkochen gehindert. Auch „Before The Words“ wird durch aufmunterndes Getrommel angetrieben, das von lautmalerischem Gesang begleitet wird. Aufzählungen ziehen sich durch den gesamten Text von „This Is My Hand“. Für die Untermalung sorgt eine fein abgestimmte Bläser-Sektion, die zart tupfend und kräftig zupackend agieren kann. „Lover Killer“ ist mit einem luftig-leichten, swingenden Jazz-Korsett ausgestattet und „I Am Not The Bad Guy“ hat einen stumpf-monoton pochenden Rhythmus, über den der Gesang kunstvoll aufgebauscht wird. Der Track wechselt dabei zwischen unaufgeregt-erzählend und aufbrausend-erregt.

Bei „Looking At The Sun“ spielt im Hintergrund wieder eine Marching-Band, die das Tempo vorgibt. Der Track wird aber noch durch Anpassung der Geschwindigkeit und Änderung der Instrumentierung variiert. Bei „Shape“ trifft Electro-Pop auf Jazz. Dies geschieht auf eine kunstvoll-reservierte Art, wie sie in ähnlicher Ausprägung auch bei Laurie Anderson zu hören ist. Als Abwechslung dazu trägt „So Easy“ gesanglich Züge eines demütigen, flehenden Gebets. In „Resonance“ ringt die Gleichförmigkeit des Rhythmus mit der Ergriffenheit der Stimme um das Interesse des Hörers. „Apparition“ ist wiederum eher Klangteppich als Song. Shara bedient sich für die Umsetzung bei ätherischen und ruhigen Figuren aus der Klassik.

Vielfältig, sensibel und eine persönliche Note wahrend, bringt Shara Worden künstlerische Elemente in ihren Dream-Pop-Verschnitt ein und versteht es dadurch, nicht beliebig zu werden, sondern für unterhaltsame Langzeitwirkung zu sorgen.

Anspieltipps:

  • Pressure
  • Lover Killer
  • I Am Not The Bad Guy
  • Looking At The Sun

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