Alexander Knappe - Die Zweite - Cover
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Alexander Knappe Die Zweite


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Alexander Knappes zweiter Versuch sich zu etablieren, bietet moderne, gefühlige Popmusik. Handwerklich gut gemacht, lässt sie aber Eigenständigkeit vermissen.

Achtung! Casting-Show-Teilnehmer! Diesen Stempel hat sich Alexander Knappe durch die Teilnahme an der X-Faktor-Staffel auf VOX verdient. Er hatte dabei sogar Aussichten auf den Sieg, hat sich diese aber durch eine ungeschickt eingefädelte Lügengeschichte selbst zerstört.

Nun soll es mit dem zweiten Versuch einen Neuanfang geben. Alexander gibt sich zwar hörbar Mühe, erobert aber letztlich kein gänzlich neues Terrain und muss sich seine Hörer weiter im Umfeld von Xavier Naidoo, Philipp Poisel und Tim Bendzko erobern. Da er sich in deren Fahrwassern bewegt, ist sein Wiedererkennungswert zu gering und seine Abgrenzung und Neuausrichtung zu zaghaft ausgefallen, um von einem umfassenden Imagewechsel sprechen zu können. Dass eventuell mehr drin gewesen sein könnte, zeigt der Vergleich zwischen der Akustik-Version des Lieds „Ohne Dich“ - das als Video auf seiner Homepage zu sehen ist - mit der Variante, die für das Album produziert wurde. Die live eingespielte, sparsame Instrumentierung ist dabei wesentlich intensiver ausgefallen und verdeutlicht, dass Herr Knappe durchaus Talent hat, um eindringliche Gefühle transportieren zu können. Eine ähnlich pure, unverstellte Intensität hört man auf „Die Zweite“ in sechs Liedern (siehe Anspieltipps), wobei „Wo Fliegst Du“, als Highlight des Albums herausragt.

Aber das Schielen auf angesagte Trends und die Verwendung von pseudo-intellektuellen Texten versperrt ansonsten die Sicht auf das Wesentliche. Nämlich die Vermittlung einer glaubwürdigen Individualität. Handwerklich ist das alles gut umgesetzt, aber man vermisst überraschende, eigenständige Impulse und den Mut, Hörgewohnheiten in Frage zu stellen. Das sind Aspekte, die große Musiker auszeichnen. Hier kann Alexander Knappe keine Punkte einfahren. Was bleibt, ist eine Standard-Leistung im Bereich moderner deutschsprachiger Popmusik, die fast ausschließlich im Balladen-Tempo mit eingestreuten dramatischen Auswüchsen angesiedelt ist. Knappe melancholisch-rührselige Stimmlage verstärkt dabei noch den vorherrschenden nachdenklichen Aspekt, kann aber letztlich nicht durchgängig für emotionale Dichte sorgen.

Anspieltipps:

  • Wo Fliegst Du
  • Das Letzte Lied
  • Irgendwo Im Süden
  • Kind Geblieben
  • Bis Meine Welt Die Augen Schließt
  • Wunderbare Jahre

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