Adam Cohen - We Go Home - Cover
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Adam Cohen We Go Home


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Adam Cohen trägt einen großen Namen und wächst langsam in die Fußspuren seines legendären Vaters hinein.

Adam Cohen ist der Sohn des großen kanadischen Song-Poeten Leonard Cohen, der für die nächste Woche ein neues Album angekündigt hat („Popular Problems“) und von dem es gleichzeitig auch eine Hommage von deutschen Musikern geben wird („Poem“). Sprösslinge berühmter Persönlichkeiten haben es in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit häufig nicht leicht. Man hat hohe Erwartungen an sie und sie werden an der Leistung ihrer Erzeuger gemessen. Davon können z.B. Jacob Dylan, Sohn von Bob, Julian Lennon, Sohn von John, oder Cliff Morrison, Sohn von Jim, ein Lied singen.

Der Leonard Cohen-Sohn bringt jetzt bereits sein viertes Studio-Album raus und hat sich schon kommerziell etabliert. Sein letztes Werk „Like A Man“ von 2011 erreichte Gold-Status. Man täte ihm sicher Unrecht, würde man ihn an den Leistungen seines Vaters messen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der gesanglichen Phrasierung seines Erzeugers kann ist ihm allerdings auch nicht abzusprechen. Hinsichtlich der Stimmbeherrschung scheint er sogar der bessere Sänger zu sein, sein Ausdruck ist jedoch (noch) nicht so unverwechselbar wie bei seinem alten Herrn. Trotzdem sind ihm ein paar ausgesprochen gediegene Songs geglückt, die er eigentümlich interpretiert. Allen voran „Too Real“, das behäbig und überlegen wie langsam wirkendes Gift in die Gehörgänge kriecht und sich da festsetzt. Auch „Song Of Me And You“ schält sich schüchtern aus seinem wohligen Kokon. Das Lied entwickelt sich zum kammermusikalischen Wohlfühl-Folk, bleibt dabei gelassen und zeigt Übersicht.

Aber nicht alle Lieder weisen diese herausragende Qualität und Originalität auf. So macht „We Go Home“ den Eindruck, als sei dieser flotte Mitsing-Folk-Pop ein Outtake aus dem Mumford & Sons-Katalog. Aber leider einer, der zu Recht ausgemustert wurde. Besser hat er diese Referenz bei „Uniform“, einem strammen Folk-Rock, genutzt. Das Lied verweist übrigens textlich auf „First We Take Manhattan“ von seinem Vater.

Wenn Cohen jr. Balladen singt, merkt man, dass er voll und ganz in seinem Element ist. „Put Your Bags Down“ ist dafür ein gutes Beispiel. Auch „What Kind Of Woman“ beginnt verzweifelt-flehend, verfällt dann aber in den Erzählstil eines Randy Newman. Sehr schwerblütig und energisch geht es bei „Swear I Was There“ zu. Hier kommen zur Unterstützung der bedrohlichen Atmosphäre auch Streicher zum Einsatz. Etwas Gospel-Feeling wird dem Folk-Song „Love Is“ beigemischt. Das ist eine schöne Bereicherung und Abwechslung.

Das Album wurde in dem Haus aufgenommen, in dem Adam aufwuchs. Es reflektiert seine Rolle als Sohn von Leonard und als Vater seines eigenen Nachwuchses. In „Fall Apart“ spricht er den damit verbundenen Kreislauf des Lebens an: Etwas Altes muss enden und etwas Neues fängt an. Um den nötigen Tiefgang zu erzeugen, erhielt der Titel noch eine einfühlsame Dobro-Begleitung. Zum Abschluss gibt es mit der Miniatur „Boats“ noch einen sanften Ausklang.

Als Ergebnis lässt sich festhalten: Adam Cohen zeigt solide, teilweise voll ausgebildete Ansätze für einen ausdrucksstarken, nach Eigenständigkeit suchenden Songwriter.

Anspieltipps:

  • Song Of Me And You
  • Too Real
  • Put Your Bags Down
  • Fall Apart
  • Swear I Was There

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