Paula & Karol - Heartwash - Cover
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Paula & Karol Heartwash


  • Label: Delikatess Tonträger/Broken Silence
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Paula & Karol bringen uns gutgelaunte Pop-Musik aus Polen, die leider zu durchsichtig und einfallslos ausgefallen ist.

Relevante Pop-Musik aus Polen? Da fällt einem erst mal gar nichts zu ein. Diese Wissenslücke wollen Paula & Carol aus Warschau mit ihrem dritten in Englisch eingesungenen Werk schließen.

Paula Bialski (Gesang/Akkordeon) und Karol Strzemieczny (Gesang/Gitarre) haben mit Christoph Thun (Keyboards) sowie Staszek Wróbel (Schlagzeug), Krzysiek Pożarowski am Bass und Szymon Najder an der elektrischen Gitarre eine gut eingespielte, routinierte Band im Rücken. Mit ihrem dritten Album „Heartwash“ erfüllen sie sich einen langgehegten Wunsch, indem sie den Produzenten Ryan Hadlock für sich verpflichten konnten. Ryan hat schon für The Lumineers und Johnny Flynn gearbeitet, ist also in der Indie-Folk-Szene kein Unbekannter mehr. Finanziert wurde dieses Engagement durch eine Crowdfunding-Aktion, bei der 12.000 Euro zusammen kamen. So macht man das heute, wenn man Geld braucht.

Wie schon kurz angedeutet, fühlen sich Paula & Karol dem Indie-Rock mit Tendenz zum Folk zugeordnet. Dabei kommt aber außerdem ein sehr starker Pop-Einfluss zum Tragen, der die Lieder zumeist unbeschwert, fröhlich und ausgelassen klingen lässt. Man spürt den Spaß, den die Akteure beim musizieren haben. Sie wollen gute Laune verbreiten, die Leute positiv stimmen und eventuell sogar zum mitsingen bewegen. Vielleicht sind ihre Kompositionen deshalb oft sehr einfach aufgebaut, damit jeder Hörer sofort eingebunden werden kann.

Paula & Karol sind wahrscheinlich nette Menschen, die Musik für die unbedarften Momente im Leben machen. „My Bones“ ist gutgelaunter Folk-Pop-Rock. Grundsolide, aber bieder. „Heartwash“ ist rhythmisch in den 80er-Jahren hängen geblieben und der Refrain wird unnötig oft wiederholt. „Don`t Bother“ ist handwerklich gut gemacht, aber zu pomadig, um wirklich lange im Gedächtnis zu bleiben. „Someday“ wirkt anbiedernd und hat eine nichtssagende Melodie. Die Balladen „Running Home“ und „Young Girl“ sind verträumt, ihnen fehlt es aber am nötigen Tiefgang. Zum Mitsingen lädt „More Than I Know“ mit einem banalen, aufmunternden „Hey Ho“ im Refrain ein. Ein Pop-Song mit karibischem Flair soll „Carry Me Over“ sein, er kann aber auf Grund seiner Harmlosigkeit keine Sonne ins Herz zaubern. Zum Abschluss gibt es mit „Got Me“ noch eine mittelschnelle, unauffällige Pop-Rock-Nummer mit Bläsern.

Paula & Karol scheinen ihre eigene Linie noch nicht gefunden zu haben. Die Songs sind häufig konturlos, haben keinen Wiedererkennungswert und die Refrains werden totgenudelt. Der Versuch, die Kompositionen durch einfache, sich wiederholende Strukturen nachvollziehbar, volkstümlich und populär zu gestalten, schlägt fehl, weil es ihnen an Substanz fehlt. Ihre wahre Bestimmung scheinen Paula & Karol mit der intimen Ballade „Circles Getting Wider“ gefunden zu haben. Hier versuchen sie mal nicht, es der breiten Masse recht zu machen, sondern lassen sich Zeit bei der Ausführung und sind ganz bei sich selbst. Sie werden ganz leise und berühren dann wirklich.

Anspieltipps:

  • My Bones
  • Circles Getting Wider

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