Mick Flannery - By The Rule - Cover
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Mick Flannery By The Rule


  • Label: Capitol/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Flannery zementiert seinen aus „Red To Blue“ gewonnenen Ruf, ohne ganz an die Klasse des letzten Albums heranzureichen.

Die Kings Of Leon kommen in den Kopf, wenn „By The Rule“ den letzten Track ausklingen lässt. „Mechanical Bull“ war nicht das stärkste Album der Followills, doch ihr Sound war selten so gefestigt und ausgereift. Das führte neben einigen zu routinierten Stücken auch zu Perlen wie „Wait For Me“ und „Beautiful War“. Mick Flannery gelingt ein ähnlicher Drahtseilakt, der ihn kompletter denn je erscheinen lässt. Dafür limitiert sich der Musiker jedoch auch unfreiwillig, sodass die Energie eines „Red To Blue“ ab und zu vermisst wird.

Der Auftakt kann über diese kleinen Stolpersteine noch problemlos hinwegtäuschen. „The Watcher“ übertrifft dabei sogar sämtliches Material des Vorgängers was Emotionalität betrifft. Dazu gesellen sich mit „Get What You Give“ und „The Small Fire“ noch gemächliche, aber eingängige Singles und fertig wäre eine bombastische Mini-EP. Wer sich mit einer plötzlich sehr langsamen Platte anfreunden kann, der darf auf diesem Gerüst einen emotionalen Herbstwind erwarten, der auch vor Streichern und vorsichtigen Piano-Klängen nicht Halt macht. Der Titeltrack ist dabei stellvertretend für den schmalen Grat zwischen Kitsch und echtem Herzschmerz. Hierbei weiß Flannery jedoch immer auf der richtigen Seite zu landen.

Und trotzdem fehlen zu vielen Stücken die nötigen Punkte, die dafür sorgen, dass die Lieder in Erinnerung bleiben. Der Titeltrack oder auch das folgende „Even Now“ schmiegen sich nicht weniger dramatisch an geneigte Gehörgänge als der hervorragende Auftakt des Albums, doch auf der Strecke vergessen die Lieder in Erinnerung zu bleiben. Auch wenn es mal ein wenig rauer zugehen soll, dann wirkt Flannery dieses Mal kühler und abgeklärter, was stilistisch interessant ist (z.B. in „I'm On Your Side). Wirklich einprägsam sind diese Ergebnisse aber auch nicht. Es ist weiterhin eine Freude, dem talentierten Songwriter zu lauschen. Das ist überhaupt keine Frage.

Wenn die durchgehend starken Texte dann doch wieder den richtigen Ton bekommen, ist alles Genörgel gleich wieder vergessen. „Own It“ ist so ein Beispiel, das zwischen all dem guten Material wie ein Leuchtturm heraussticht. Und das ist immer noch eine Leistung, da andere Songwriter sich wünschten, Flannerys emotionales Gespür überhaupt erst zu haben. Vielleicht werden sich nicht allzu viele Hörer an allzu viele Titel dieses Albums erinnern, doch wenn diese Scheibe ohne Schwächen dann immer wieder mit seinen Höhepunkten aufflackert, wird Hörern ohne Frage warm ums Herz. Für Singer/Songwriter-Freunde kann der Winter dementsprechend kommen.

Anspieltipps:

  • The Watcher
  • Own It
  • Live In Hope

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