Ben Howard - I Forget Where We Were - Cover
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Ben Howard I Forget Where We Were


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Songwriter dieser Welt: Verneigt Euch!

Er hätte es sich so leicht machen können. Der erste Schritt für eine prunkvolle Popkarriere war gemacht, „Every Kingdom“ verkaufte sich blendend und mit „Keep Your Head Up“ stellte er sogar sein Talent, fröhlich vor sich hin groovende Radiohits zu schreiben, unter Beweis. Die Welt lag ihm zu Füßen, seinem zweiten Longplayer waren die goldenen Schallplatten dieser Erde schon sicher, bevor er überhaupt geschrieben wurde. Und dann so etwas.

„I Forget Where We Were“ und „End Of The Affair“ hießen die ersten Singles von Ben Howards zweitem Album. Ein hymnischer, aber keinesfalls eingängiger Track über die Liebe und ein knapp achtminütiges Monster, zurückhaltend und traurig bis hin zu ausbrechend und laut. Hätte der inzwischen 27-Jährige auf Biegen und Brechen versuchen wollen, sein neues Werk einer breiten Öffentlichkeit madig zu machen, besser hätte er seine Single-Auskopplungen nicht wählen können.

Statt akustischer Massenware liefert Howard schon mit diesen beiden Songs Songwriter-Perlen, die meilenweit über dem stehen, was das Genre zumeist zutage fördert. Die Musikgeschichte ist wahrlich mit talentierten Komponisten gesegnet, das Niveau dieses jungen Mannes erreichten aber selbst im hohen Alter nur sehr wenige. „I Forget Where We Were“ ist von der ersten Sekunde an intensiv, trotzdem zurückhaltend und niemals eingängig. Was am Ende steht, ist das vielleicht beste Album, das das Genre in diesem Jahrtausend geliefert hat.

Das beschwörerische „Small Things“ schlägt einen düsteren Grundton an, den die Platte nur selten wieder verlässt. Schon auf seinem Erstling nahm sich Howard Zeit für seine dunklen Passagen und hob gerade in diesen wunderbaren Momenten seine Kunst auf ein noch höheres Level. Neben „End Of The Affair“ stehen dafür „Time Is Dancing“ und „All Is Now Harmed“ beeindruckend und beispielhaft.

Zwischen all den Songmonstern ist sich Howard auch nicht für kurze Zwischenspiele zu schade. „In Dreams“ kommt seinem bisher positivsten Song „Keep Your Head Up“ am nächsten und bricht auf angenehme Art mit der ansonsten eher unzugänglichen Kost des Albums. Kniffe wie dieser sind einer der Gründe, weshalb auch Howards zweite Platte von vorne bis hinten funktioniert.

Ben Howard hat sich ein Denkmal gesetzt. Was vor einigen Jahren als hochwertige Singer/ Songwriter-Musik begann, ist gewachsen und setzt heute Maßstäbe. Gewiss, komplexe Songs auf einer Akustikgitarre zu schreiben, ist eine Fähigkeit, die auch vor Howard viele Musiker innehatten. Ob das in diesem Alter schon der Fall war, darf jedoch maximal bezweifelt werden.

Anspieltipps:

  • Small Things
  • I Forget Where We Were
  • She Treats Me Well
  • Time Is Dancing
  • End Of The Affair
  • Conrad
  • All Is Now Harmed

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