Shellac - Dude Incredible - Cover
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Shellac Dude Incredible


  • Label: Touch & Go/CARGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Stiche und Schläge. Indie-Ikone Steve Albini nach über sieben Jahren wieder mit einem zementharten Shellac-Lebenszeichen.

Der Totalverweigerer, das gute Gewissen der Independent-Szene, Produzent, der nicht Produzent genannt werden will und auf Nennung in Booklets verzichtet, der Recording Engineer, wie er es bevorzugen würde, des ersten Studioalbums der Pixies und des letzten von Nirvana: Steve Albini ist eines der letzten Urgesteine authentischer Kapitalismusverweigerung im zeitgenössischen Musikbetrieb. Und ja, er hat immer noch mit Shellac eine der besten Bands im Noise Rock.

Sieben Jahre nach „Excellent Italian Greyhound“ erleben wir nun das wie immer schnörkel- und ankündigungslos veröffentlichte sechste Album „Dude, Incredible“, zwanzig Jahre nach dem Band-Debüt. Ohne Facebook, Twitter und Homepage. Ohne Tour, ohne nennenswerte Promotion. Albini, Todd Trainer und Bob Weston können es sich leisten, als Randfiguren einer großen Rock-Explosion, die mal in den Neunzigern ausbrach, dem kommerziellen Pop mit zerrissenen Jeans und unpathetischen Wut-Riffs seine immanente Sinnlosigkeit vorzuwerfen und mit dem Gitarrenbeelzebub auszutreiben. Alle drei spielten seit den Achtzigern in szenewichtigen Bands, die das 21. Jahrhundert längst vergessen hat.

Shellac, das antikommerzielle Modell zur Band als profitorientierter Beruf der künstlerischen Selbstverwirklichung, funktioniert genauso wie sie sind am besten. Was, ein neues Shellac-Album? Schau mal einer an. Alle zwei Jahre ein Album dieser Stil-Couleur würde nicht funktionieren, würde Post-Hardcore-Keller-Szenemusik bleiben. Albini gibt's noch und hat was Neues? Hören wir mal rein. Vermutlich hören die meisten Sympathisanten von Shellac diese Musik nicht jeden Tag. Insofern sind ihre sechs Alben in 21 Jahren keines zu wenig.

Aber vor allem das Produkt, dieses zementharte Rockmonster aus Rhythmuswechsel und rohem Takt, aus Stichen und Schlägen, bedingt es, Shellac so unprätentiös und frei von Popbusiness-Zwängen sein zu lassen. Ein bisschen wie Pissed Jeans tut diese unglaublich gute Musik unglaublich weh. Nicht wegen metallischer Grusel- und Speed-Momente, we're not talking Slipknot here, sondern wegen musikalisch gelebter Schonungs- und Kompromisslosigkeit. Ein simpler, monotoner Basslauf, ein stringenter, stoischer Takt, drei knappe, messerscharfe Riffs, das ganze vierfach rhythmisch variiert, dazu fünf kryptische Zeilen: mehr ist es oftmals gar nicht, und doch ist dieser Minimalismus immer noch und immer wieder erstaunlich wirkungsmächtig. Shellac, das „Minimalist Rock Trio“ (Eigenlabel), hat mal wieder vorbeigeschaut um zu erinnern wie hart, ohne brutal zu sein, wie schonungslos, ohne böse zu sein, Rockmusik sein kann.

Anspieltipps:

  • Riding Bikes
  • All The Surveyors
  • Dude, Incredible
  • Surveyor

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