Nikolai Tomás - Sings Poems For Laila - Cover
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Nikolai Tomás Sings Poems For Laila


  • Label: Baboushka Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Vierteljahrhundert alt sind die Songs – und doch modern. Eine gelungene Neuinterpretation.

25 Jahre ist es nun her, dass die Band „Poems for Laila“ in Berlin ein Stückchen Musikgeschichte schrieb. Mit ihren westeuropäischen Balkanballaden trug sie zu Zeiten des Mauerfalls ihren Teil dazu bei, dass West und Ost sich auch musikalisch annäherten. Sechs Jahre ist es her, dass Nikolai Tomás, damaliger Frontmann, seine einst so be- und geliebte Band auflöste und sich gänzlich um seine Soloprojekte kümmerte. Zum Gründungsjubiläum jedoch widmet er sich wieder seinem einstigen Erfolgskonzept und lässt die „Gedichte“ wieder aufleben. So richtig loslassen scheint er nicht zu können.

Warum sollte er auch? Die zwölf ausgewählten Poems sind faszinierend zeitlos, die Neuinterpretationen stilvoll. Es sind Titel der ersten drei Alben, die Geschichten erzählen, teilweise im wahrsten Sinne des Wortes. „The morning after“ beispielsweise ist mehr Dialog als Song. Ein derbes, ehrliches, schonungsloses Gespräch zwischen Mann und Frau, „a bad porno“, um es in Tomás´ eigenen Worten auszudrücken. Fürchterlich intim sind dabei alle seine Stücke, ob sie nun auf Deutsch („Indien“), Englisch („I lost my heart“) oder in einer anderen Fremdsprache („Zigular“) gesungen werden. Denn die Intimität liegt nicht nur in den ergreifenden, harten Lyrics.

Sie liegt auch in der beeindruckenden Stimme Tomás´, in seinem eigenen Stil, der die Leichtigkeit von Chansons mit der Ernsthaftigkeit von Singer- und Songwriter Elementen verbindet. Darunter mischen sich Folk, Pop und Rock, wie man es aus den alten Zeiten von „Poems for Laila“ gewohnt ist. Dabei wird Tomás von verschiedenen Instrumenten unterstützt, die von früheren Bandkollegen und Freunden bedient werden: Nils Arndt am Schlagzeug und Jean Marie Gilles am Bass. Tina Trillian Bartel hilft zudem als Sängerin, Roland Krispin als Sänger aus.

Die Zeitlosigkeit der Lieder führt wohl dazu, dass man nicht mal auf die Idee kommt, es Nikolai Tomás zu verübeln, dass er mit seinen alten Stücken neuen Glanz erzeugen will. Vor allem hat er es sich selbst auch nicht ganz so einfach gemacht. Mit instrumentellen Ideen und entkleideten Melodien hat er es geschafft, die Stücke, die teils ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben, in unsere Zeit zu transportieren. Und siehe da: Sie funktionieren immer noch.

Anspieltipps:

  • I lost my heart
  • Zigular
  • The morning after
  • Now you’re gone

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