Element Of Crime - Lieblingsfarben Und Tiere - Cover
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Element Of Crime Lieblingsfarben Und Tiere


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Lieblingsfarben und Tiere“ ist groß. Ganz ganz groß.

Wer auf Jakob Ilja, David Young, Richard Pappik und natürlich Sven Regener vertraut, wird wohl nie enttäuscht werden. Ihr Element Of Crime steht seit „Damals hinterm Mond“ (1991) wie ein Fels in der Brandung der deutschsprachigen Musik. Die beste auf Deutsch singende Band aller Zeiten? Die besten deutschen Texte überhaupt? Definitiv - aber bitte nur ganz inoffiziell und subjektiv. Absolut einzigartig? Ja, aber hallo - und das dann auch offiziell. Freunde, Fans und Liebhaber der im Jahre 1985 gegründeten Gruppe sind in erster Hinsicht eh Querköpfe und sollen auch Recht behalten. Vergleiche erübrigen sich in zweiter Hinsicht dann ebenfalls und am Ende wartet jeder gespannt, was der Herr-Lehmann-Papa Sven Regener und seine Jungs mal wieder aus dem Hut zaubern. Diesmal sind es Tiere und Farben und von denen dann auch jene, welche sie anscheinend schon lange kennen und mögen. Andernfalls wäre „Lieblingsfarben und Tiere“ wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen. Oder anders und kürzer ausgedrückt: Die vier Musiker wissen um ihre Qualitäten und sind in absoluter Höchstform.

Fünf Jahre nach den Americana-Ausflügen des Vorgängeralbums „Immer da wo du bist bin ich nie“ sind Element Of Crime wieder in ihrem verliebten, leicht beschwipsten Berlin angekommen - einer Stadt, die sich im bandeigenen Kosmos ihre „Romantik“ (2001) und „Psycho“-Marotten (1999) bewahren konnte. Ganz anders hingegen ist das mit den Jahren eigentlich immer besser gewordene „Mittelpunkt der Welt“ (2005), welches den Sound der Musiker gekonnt reduzierte. Die „Lieblingsfarben und Tiere“ von Regener und seinen Mitstreitern sind allerdings die des ausklingenden letzten Jahrhunderts. Die Zeitreise glückt und präsentiert das 13. Studioalbum Element Of Crimes üppig instrumentiert, außerordentlich melodisch und stellenweise sogar ziemlich pompös und opulent. Hier ein dezenter Einsatz einer Violine („Immer so weiter“), welcher „Fallende Blätter“ vom Album „Romantik“ wieder zu Boden rieseln lässt, da ein famoses Saxophon-Solo mit leichter Film-Noir-Ästhetik („Liebe ist kälter als der Tod“) und wenn eine Klarinette („Schwert, Schild und Fahrrad“) oder die zum Sterben schöne Regener-Trompete („Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen“) die Dominanz ergreifen, ist eh mal wieder alles klar. Dann weiß der Hörer, dass die verträumten, selbst an der eigenen Bandhistorie gemessenen, besonders melancholischen Element Of Crime wieder da sind. Und eben das steht ihnen immer wieder und vor allem immer noch ziemlich gut - genauer genommen befinden sich auf „Lieblingsfarben und Tiere“ einige der feinsten Momente der gesamten EOC-Diskographie.

Neben den erwähnten Kompositionen ist beispielsweise „Dieselben Sterne“ ein Highlight: Von Element Of Crime wissen wir, dass da wo deine Füße stehen, der „Mittelpunkt der Welt“ ist. Über dem sind anscheinend „Dieselben Sterne“, welche den Hörer so versöhnlich und beschwingt begleiten, als hätte die Band sie vom 2005er-Album gepflückt. Ähnlich verhält es sich mit dem flotten „Schade dass ich das nicht war”, das sich nebenbei vorzüglich als Single eignen würde. Die eigentliche Single und gleichzeitig Titelkomposition selbst fällt im Vergleich zum restlichen Material fast ein wenig ab, während der Opener „Am Morgen danach“ ein wenig zu sehr auf Nummer sicher getrimmt wurde. Interessanterweise von einer Gruppe, die ihren Sound eigentlich ohne Probleme aus dem Ärmel schütteln kann und gerade für so etwas verehrt wird. „Nach 100 Folgen sind alle Abenteuer fad“, doch die Fans sollte das sicher nicht stören.

Es gibt ja noch die Texte Sven Regeners, welche seit jeher eigentlich das größte Argument der Band sind. Ob nun Blumen vom Spar, Wiedersehen in Baumärkten, schwarze Taxis, Schulkinder, welche ihre Marmeladenbrote wie Backenhörnchen kauen oder Skype-Kontakte, die sonst wo bleiben dürfen - Element Of Crime zu zitieren ist wie eh und je eine dankbare und vergnügliche Angelegenheit. In ihrer eigenen Liga spielen sie sowieso, was mittlerweile auch die überraschend wenigen Nachahmer und Plagiate verstanden haben. Regeners kauziger Blick auf Alltägliches, Banales, auf Kitsch und Ironie zugleich, das höchst Poetische und dennoch Einfache, werden wahrscheinlich für alle Ewigkeiten ein absolutes Unikat bleiben. Somit sind auch auf „Lieblingsfarben und Tiere“ alle Zutaten gegeben, welche für ein gutes Album von Element Of Crime vonnöten sind. Und wie ein guter Wein scheint diese Band mit dem Alter immer besser zu werden. Der hat nur dann einen sauren Nachgeschmack, wenn er nach gerade mal 35 Minuten ausgetrunken ist. Auch wenn das schade ist und so die Freude deutlich geschmälert wird: „Lieblingsfarben und Tiere“ ist groß. Ganz ganz groß.

Anspieltipps:

  • Schade dass ich das nicht war
  • Rette mich (vor mir selber)
  • Liebe ist kälter als der Tod
  • Immer so weiter
  • Dieselben Sterne
  • Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen

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