Black Strobe - Godforsaken Roads - Cover
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Black Strobe Godforsaken Roads


  • Label: Blackstrobe Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Komm mit Bass, wir gehen trinken und tanzen.

Der Art von Arnaud Rebotini wohnt eine gewisse Epik inne. Der Franzose wirkt mit seinen zurückgegelten Haaren, der Knubbelnase und dem Schnurrbart wie ein stilechter Mafioso. Seine Bass-Stimme hat hingegen eher was von (Rammstein)s Till Lindemann mit Blues. Das zweite Werk der Band, der er vorsteht und die sich mit ihrem 2007er Debüt „Burn Your Own Church“ einer Mischung aus Elektroclash, Synth-Pop und rockigem Blues verschrieben hatte, schlägt diesmal deftiger in die Rock-Kerbe.

Schon die ersten drei Tracks könnten so von einer klassischen Gitarrenband stammen, auch wenn sich hier schon Abwechslung abzeichnet. „Broken Phone Blues“ und „Monkey Glands“ sind energetisch und schrauben das Tempo mit ungeduldigen Riffs, Klatschen und einer lauernden Bassline hoch. „He Keeps On Calling Me“ gleicht dagegen einem langsamen Marsch, begleitet von einem Männerchor und aufwallenden Synthies im Hintergrund. Erst mit dem aggressiven „Blues Fight“ wird Rebotinis zweite Berufung als anerkannter Techno-Produzent zur einstweilig dominierenden Kraft der Musik: Elektronische Beats, verzerrte Dudelsäcke und ein metallisches Pochen laufen auf ein atmosphärisches Ende hinaus, das in seiner Ruhe „For Those...“ exzellent vorbereitet.

Dieser ist sicherlich einer der stärksten Songs des Albums. Synthies wie Irrlichter und ein kraftvoller Refrain aus Hörnern und dichten Snares machen den Song zu einem Konstrukt zwischen minimalistischen Strophen, die Rebotinis Crooner-Qualitäten schön hervorheben, und dem maximalisierten Chorus, der sich gen Ende zum Kreischkonzert verdichtet. Fast stiehlt es dem genialen, elektronisch angehauchten Bass-Meer und Cover des Cash-Songs „Folsom Prison Blues“ die Show. Eine wunderbare Kombination aus tiefster Bassstimme und Keyboard-Geklimper. Mehr Action bietet schließlich der Rock’n’Roll-Song „House of Good Lovin’“ mit galoppierender Bassline und Synthie-Einsatz.

„Dumped Boogie“ wiederum bietet nervös-verzerrtes Gitarrenspiel, auf- und abwallende Synthies und im Refrain aufpeitschende, quirlende Gitarren im Manson-Style. „Baby Move Your Body / You Make Me Feel So“ sind schließlich die Zeilen, die den Track zum düsteren Dance-Track erheben, der ganz im Kontrast zu „From The Gutter“ und „Going Back Home“ steht. Diese stehen ganz im Zeichen von Funk und Disco (inklusive Boney M.-Anspielung), und sind nicht minder tanzbar. Die Tracks für die Tanzfläche, elektronisch oder nicht, hat sich Rebotini allesamt fürs Ende aufgehoben. Den Abschluss machen schließlich „Boogie In Zero Gravity“ und dessen Fortsetzung „Promised Moon“, zwei Tracks zwischen Funk und House mit Kuhglocken aus dem Roland 808, Kraftwerk-Roboterstimmen und Gitarrensoli.

„Godforsaken Roads“ mag nicht die vergessen Pfade beschreiten, nach denen es benannt ist. Doch die Abwechslung aus beseelten, leidenschaftlichen Nummern, rockiger Aggression mit Elektro-Elementen und entspannten Elektronummern am Ende machen es zu einem Album, das lange Spaß macht. Vor allem der Spannungsbogen ist Black Strobe hervorragend gelungen und so hat man nach viel Emotionalität am Anfang und in der Mitte des Albums doch am Ende trotzdem Lust, zu dieser sonoren Stimme und den treibenden Basslines tanzen zu gehen.

Anspieltipps:

  • He Keeps On Calling Me
  • For Those Who Came On Earth Thru The Devil’s Asshole
  • Folsom Prison Blues
  • Dumped Boogie
  • Boogie In Zero Gravity

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