Damien Rice - My Favourite Faded Fantasy - Cover
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Damien Rice My Favourite Faded Fantasy


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rick Rubin kitzelt dem Iren nach acht Jahren Pause endlich wieder in Töne gegossene Trauer und Verzweiflung aus der Feder. Selten war Leiden schöner als bei Damien Rice.

Da ist er ja schon wieder! Rick Rubin!! Gott aller Produzenten!!! Acht Jahre nach seinem letzten Studioalbum „9“ (11/2006), entlockte der zottelbärtige Kult-Knöpfchendreher, der zuletzt Yusuf auf die Sprünge half und schon so unterschiedliche Künstler wie Johnny Cash, Eminem, ZZ Top, Metallica, Slayer, Neil Diamond, Slipknot, Jay-Z und Tom Petty zu neuer Kreativität führte, diesmal dem 40-Jährigen Iren Damien Rice immerhin acht neue Stücke für sein drittes Album. Das wurde allerdings auch Zeit. Denn acht Jahre zwischen zwei Studiowerken sind eigentlich tödlich. Dabei stand für Damien Rice lange nicht die Frage nach dem Wann, sondern nach dem Warum im Raum. Somit müssen wir froh sein, überhaupt noch einmal neue Stücke von dem Sänger und Songschreiber hören zu dürfen.

In acht Jahren lässt sich selbst die unheimliche Genialität von herausragenden Alben wie „O“ (08/2003) und „9“ vergessen. Das könnte für „My Favourite Faded Fantasy“ ein Vorteil sein. Denn Damien Rice klingt anders, als der Hörer ihn in Erinnerung hat. Die Brüchigkeit in den Arrangements ist satten Orchestereinlagen gewichen. Die Songs (nur acht in immerhin 51 Minuten Spielzeit) mäandern atmosphärisch, aber nicht auf den Punkt kommend, durch den Raum und auch der so verletzliche Falsettgesang wirkt im ersten Moment ungewohnt. Zudem muss bis zu „I don’t want to change you“ gewartet werden, bis sich einmal eine Melodie im Ohr festsetzt. Es hat sich vieles verändert bei Damien Rice. Nicht alles zum Guten. Und Lisa Hannigan hat ihn auch noch verlassen. Himmel hilf!

Glaubt man Rubin, so musste Rice bei den Aufnahmen dahingehend therapiert werden, seinen Kummer, seine Trauer und seine Verzweiflung, die seine ersten beiden Alben so herzzerreißend gemacht haben, endlich wieder rauslassen zu können. Es gelingt ihm nur langsam, aber, als würde sich das Album in zwei Einheiten aufspalten, er schafft es! Nämlich dann, wenn sich die Streicher zurückziehen und Rice mit seiner Stimme und einer Akustikgitarre alleine ist, wie zum Beispiel in der ersten Hälfte von „The box“. Dann kommen wieder die alten Gefühle auf, die Damien Rice u.a. in einem Studio in Reykjavik auf Island eingefangen hat. Wo ginge dies besser, als auf einer dunklen Insel wie Island?

Mit 40 Jahren hat Damien Rice seine Sturm- und Drangphase hinter sich. Ein bisschen hat sich dies auf die Intensität seiner Lieder ausgewirkt, die nicht mehr ganz so tief berühren wie früher. Und trotzdem: Es gibt da draußen so viele Singer/Songwriter, die so gerne wie der Ire klingen würden und es nicht schaffen, weil sie immer wieder in trostlosen Pop abdriften und den Schlüssel zum Herzen des Hörers einfach nicht finden. Deshalb ist es Kritik auf sehr hohem Niveau, der sich Damien Rice mit den Songs seines dritten Albums stellt. Dieses fängt sich, wie gesagt, in der zweiten Hälfte und justiert die musikalischen Pole zwischen Minimalismus und Bombast so, dass mit „My Favourite Faded Fantasy“ ein treuer Begleiter für einen dunklen Herbst und einen kalten Winter gefunden ist.

Anspieltipps:

  • Colour me in
  • Long long way
  • I don’t want to change you
  • It takes a lot to know a man
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