Amaranthe - Massive Addictive - Cover
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Amaranthe Massive Addictive


  • Label: Spinefarm/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Leckeres, wenn auch nicht sättigendes Fingerfood aus der Snackeria des Metals.

Albumveröffentlichungen im Jahrestakt? Willkommen in den 70er-Jahren, in denen Black Sabbath das getan haben, was heute nur noch Beatrice Egli oder Amaranthe hinkriegen. Die schwedischen Genre-Akrobaten haben anscheinend zu viele Einfälle und zu wenig Zeit oder einfach nur voll Bock auf ihre Musik. Deswegen kommt ein Jahr nach „The Nexus“ (2013) direkt der Nachfolger „Massive Addictive“, der ausgehungerten (echt jetzt?) Fans wieder Taco-Chips mit viel Käsesauce in die Fresse schieben soll. Aber hey: Wir alle mögen doch Nachos, oder? Und extra Käse! Früher war es italienischer Power Metal, der das bieten sollte, heute machen es halt Bands wie Amaranthe. Und wieso eigentlich nicht?

Es war gar nicht anders von Amaranthe zu erwarten: „Massive Addiction“ lebt wieder einmal von einem bunten Blumenstrauß verschiedenster Genres. Der Mix aus Symphonic Metal, modernem Power, elektronischen Einsprengseln, einer gewissen Kamelot-Gothic-Ästhetik (ohne jemals in dieses Genre vorzudringen) und einer Alibi-Härte durch Growls sind die Grundzutaten für einen Sound, der viele Anhänger finden sollte und stets einen möglichst kurzen Weg zum potentiellen Ohrwurm finden will. Böse Zungen nennen das weichgespülten Pop-Metal mit Kiddie-Core, wer mit sich selbst ehrlich ist, erkennt einen reizenden Charme und viel Spaß an Tönen, die in die Lauscher kriechen und da einfach nicht mehr rauskommen wollen. „Massive Addictive“ - der Name ist Programm! Der gefühlt immer besser werdende Gesang Elize Ryds (Kamelot, „Silverthorn“) tut sein Übriges und ist mit Recht der Dreh- und Angelpunkt des dritten Studiowerks der Schweden. Es sind Songs wie der tolle Opener „Dynamite“, „Drop Dead Cynical“, „Trinity“, „Digital World“ und „Danger Zone“ welche durch Mark und Bein gehen, die Euphorie-Keule schwingen und mit opulenten Arrangements und surrenden Elektro-Bliblablubb für eine interessante eigene Handschrift sorgen. Beinharte, trve Zeitgenossen haben sich an dieser Stelle verabschiedet und geben sich lieber was Hartes oder den originalen David Guetta oder die Bad-Taste-Koryphäe Groove Coverage. Abwechslung ist sowieso eher die Ausnahme - dafür haben Amaranthe einfach zu sehr ihren Sound entdeckt, der so weit wie möglich ausgereizt wird.

Doch gerade das Aufschnüren des Korsetts erweist sich als sinnvoll. Sobald Amaranthe einen Gang zurückschalten, ihre Songs nicht überfrachten und in den absolut gelungenen „True“ oder „Over And Done“ ein wenig ruhiger zugange sind, wirkt das wie ein Befreiungsschlag. Achja! Liebe Amaranthe, gebt eurem Sänger Jake E mehr Einsätze. Der gute Mann singt Fräulein Ryd locker an die Wand. Neuling Henrik Englund hingegen macht im glaubhaft harten „An Ordinary Abnormality“ eine absolut gute Figur und growlt seinen Vorgänger Andy Solveström gegen die Wand. Alles tutti also, alles toll. „Massive Addictive“ ist wie aus dem Ei gepellt und bietet mehr davon, was die Fans an Amaranthe mögen. Am Ende gleicht das Werk einem Big Mac. Man isst, es schmeckt super, aber gehaltvoll und sättigend ist es nicht. Schnell ist der Hunger wieder da und es heißt Nachbestellen. Glücklicherweise wissen das wohl auch Amaranthe, von denen man hinsichtlich des vergangenen Veröffentlichungsrhythmus schon bald Nachschub erwarten darf. Fazit: Metal für Grinsebacken, bei denen In Flames direkt neben „Tekkno ist cool“ (1995) und einem importierten Anime-Soundtrack stehen und deren Freude an Amaranthe deshalb absolut legitim und verständlich ist. Punkt.

Anspieltipps:

  • Dynamite
  • Massive Addictive
  • True
  • Over And Done

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