TXL - Kopfschuss - Cover
Große Ansicht

TXL Kopfschuss


  • Label: Riff Raff Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Arsch lecken, aber ja nicht reinbeißen... Immerhin geht’s musikalisch besser als auf dem Debüt.

TXL, benannt nach dem IATA-Flughafencode von Berlin-Tegel, melden sich ein Jahr nach ihrem Debüt „Angst“ (2013) und nur wenige Monate nach einer kostenlosen Cover-EP („Cover den Scheiss“) mit 'nem neuen Album zurück. Erste Erfolge haben diese Band anscheinend gestärkt und hungrig gemacht - immerhin entsprechen gleich zwei Veröffentlichungen in gerade mal einem Jahr nicht unbedingt der Regel. Wieso aber auch nicht? Nachdem das Debüt nicht wirklich überzeugte, konnte es ja nur besser werden. Eine Offenbarung sind TXL mit ihrem „Kopfschuss“ nun ebenfalls nicht, aber sie machen ihre Sache sehr viel souveräner, besser und überzeugender. So dürften Ricky, Schulle und Halid den bitteren Nachgeschmack des Vorgängers nach und nach überdecken. Eine kleine Randbemerkung: Besonderes Augenmerk liegt auf dem Frontmann Halid Pestil (bekannt vom RTL2-Goth-Späßchen Schlafes Bruder), der allen Ernstes als „wohl der erste Deutschrock singende Türke, den dieses Land hervorbringt“ vermarktet werden will. Welches Land denn? Deutschland oder die Türkei? „Kein Gangster, HipHop oder Pseudo-Rap. Nein, ein waschechter Rock'n'Roll Türke“ klingt wie „Alle Südamerikaner spielen in der Fußgängerzone Panflöte“ oder „Jeder Finne mag Metal“. Naja, ob dies der genannten „Integration“ entgegen kommt, bleibt zu bezweifeln...

Zurück zu „Kopfschuss“. Zwischen klassischem, erdigem Hardrock und modernem Rock präsentieren sich TXL und schießen ihre Musik durch die Ohren in den Kopf ihrer Hörer. Dabei sind die elf Kompositionen auf „Kopfschuss“ weitaus straighter, eingängiger und orientierter als die auf dem Erstling „Angst“. Treibende Ohrwürmer und Hymnen wie „Bomben fallen...“, „TXL“, das stampfende „Wie es mal war“ oder das an Motörhead angelegte „Ich reiße dir den Kopf ab und scheiß dir in den Hals“ sprechen eine klare Sprache und sollten gerade im Livegewand ihre volle Wirkung entfalten. Schließlich reichern TXL ihren Sound mit einigen Experimenten an, die mal gelungen („Saddam-A-Go-Go“-Gedenkfanfaren in „Leck mich am Arsch“ oder im Titeltrack) und mal eher gewollt und klischeebeladen sowie höchst unnötig (Spieluhr sowie Kindergebrabbel in „Eene meene Miste“) rüber kommen.

Was die Lyrics betrifft, haben TXL leider mal wieder die... nun, äh, Arschkarte gezogen (um es mal passend zum textlichen Niveau zu beschreiben). Alleine die Songtitel machen keinen Hehl daraus: „Leck mich am Arsch“ ist der Song für von der Gesellschaft geschundene, mit Füßen getretene Hunde und „Nichten und Neffen“ und genau so clever oder tiefgängig, während „Ich reiße dir den Kopf ab und scheiß dir in den Hals“ bei weitem nicht so lustig, ekelhaft oder provokant ist, wie KKS zu seinen besten (Pimp-Legionär-)Zeiten: „Genug gesabbelt, lass uns ficken bis es knallt. Steck' die Zunge in mein Arschloch und ich scheiss dir in den Hals.“ Hachja, der gute alte Juks... Solch eine träge Hoe hätte er mit Schlägen animiert.

Ob nun die Selbstbeweihräucherung im nach der Band betitelten „TXL“, das ungelenke Liebeslied „Hey Baby“ oder möchtegern-subversives oder -ironisches (?) Kinderreim-Gehabe in „Eene meene Miste“ - zwischen Fremdscham, Augenverdrehen oder Texten, die einfach nur da sind, damit man nicht instrumental vorgehen muss, ist auf „Kopfschuss“ so ziemlich alles erhalten. Und gerade der lyrische Defizit dürfte so manchem Hörer den Spaß gehörig verderben.

Das wertet TXLs zweites Album stellenweise extrem ab, weil es sich penetrant in den Vordergrund rückt. Immerhin ist musikalisch dafür so einiges in Ordnung und im Vergleich zum Vorgänger ein gehöriger Schritt nach vorne. Macht das „Kopfschuss“ nun zu einem guten Album? Nein, aber immerhin zu einem mittelmäßigen, welches zwar nicht unglaublich spektakulär, aber streckenweise ziemlich solide daherkommt. Ihre Anhänger werden TXL so oder so finden - schon alleine, wenn sie pünktlich zum Release von „Kopfschuss“ wieder mit dem Onkel Kevin Russell und seiner Band Veritas Maximus auf Tour gehen.

Anspieltipps:

  • Leck mich am Arsch
  • Bomben fallen
  • Kopfschuss

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
5/10

Fistful Of Fire
  • 2020    
Diskutiere über „TXL“
comments powered by Disqus