Sons Of Morpheus - Sons Of Morpheus - Cover
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Sons Of Morpheus Sons Of Morpheus


  • Label: Deepdive Records/H'ART
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch ein wenig unentschlossen, aber handwerklich grandios und mit weitaus mehr Potential gesegnet als so manch anderer Retro-Kollege.

Dank Wolfmother und den Blues Pills ist Retro-Rock wieder absolut im Trend und findet begeisterte Anhänger. So ziemlich jedes größere Label braucht einen Vertreter (alleine Scorpion Child und Kadavar sind beim Metal-Riesen Nuclear Blast) und wer Bock darauf hat, dass junge Bands Idolen wie Led Zeppelin oder Blue Cheer nacheifern, findet heutzutage schnell frischen Stuff. Und eigentlich läuft die ganze Prozedur nach strengen Regeln an. Wer sich leidenschaftlich darüber aufregt, dass True Metal so gut wie immer mit Dragons, Steel und Warriors zu tun hat, kann gleich beim Retro-Trend weitermachen. Ganz ehrlich: Viel passiert nicht mehr, der Trend ist gerade am Zenit. Und das Becken ist brechend voll - wirklich interessant sind nur die Vertreter, die nicht direkt untergehen. Sons Of Morpheus springen trotzdem vom Einer hinein und wagen mit ihrem Debütalbum die Schwimmstunde.

Gegen die anderen zu bestehen sollte nicht einfach sein, aber immerhin stellen sich die Schweizer nicht unbeholfen an und können den Anforderungen des „Genres“ gerecht werden. Da gibt es eine gewohnt gute Leistung am Mikro und Instrument, das gelungene „Kopieren“ der Inspirationsquellen, aber immer noch das kleine Quäntchen Eigenständigkeit, welches zwar kaum für Innovation sorgen kann, aber immerhin einen Wiedererkennungswert beschert - vorausgesetzt der Hörer ist im Retro-Rock bewandert genug. So lässt das Trio bestehend aus Manuel Bissig (Gesang, Gitarre), Lukas Kurmann (Bass) und Simon Gautsch (Schlagzeug) seinen schwergewichtigen Bluesrock stampfen (Opener „Pay For Me“, „Eye Of The Storm“, „Head In The Clouds“), findet immer wieder zum Stoner („Wasted Blood“, „Into The Sun“, das instrumentale „Tsunami“) und groovt sich frisch und fröhlich durchs Gebälk. Zügige und unterhaltsame Rocker wie „Seed“ oder „My Baby Likes To Boogaloo“ finden sich schließlich genauso wie durchaus gekonnte ruhige Tracks. Gerade da überzeugen die Söhne des Schlafgottes mit einer unerwarteten Reife: „Dragonfly“ oder „Demons Rising“ lockern und werten ihr Debütalbum definitiv auf!

Abgerundet wird alles mit dem instrumentalen „Psilocybin“, das den Titel zum Programm macht. Hier wagen sich die Sons Of Morpheus zusätzlich noch in Psychedelic-Rock-Gefilde und experimentieren gute neun Minuten lang, was sie aus ihrem Sound noch alles herausholen können. Gerade diese Ausrichtung scheint eine Stärke der Jungs zu sein und lässt darauf hoffen, dass sie sich ihr nicht verweigern und vielleicht künftig mehr in eine solche Richtung gehen. Somit ist das erste Werk der Schweizer eine durch und durch abwechslungsreiche Angelegenheit, in stilistischer Hinsicht zwar überaus souverän und reif, aber auch noch ein wenig unentschlossen. Vielleicht ist es den Retro-Regeln geschuldet, welche vom Trio noch brav eingehalten werden, die aber einer absoluten Eigenständigkeit weichen sollte, wenn sich die Buben die Hand aufs Herz legen und all ihre Stärken ausspielen. Diese Band hat ein enormes Potential und muss dieses unbedingt nutzen. Freunde der Retro-Welle sollten einen Testdurchgang wagen und sich auf eine Band freuen, von der noch so einiges kommen könnte.

Anspieltipps:

  • Head In The Clouds
  • Dragonfly
  • Demons Rising
  • Psilocybin

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