Mark Lanegan - Phantom Radio - Cover
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Mark Lanegan Phantom Radio


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn das mal nicht das Einläuten eines Alterswerks ist: Spät, sehr spät offenbart die Stimme der Düsternis, die Grunge-Ikone Mark Lanegan, was ihn musikalisch wirklich geprägt und geformt hat.

Kredit hat der aus Seattle stammende und in Los Angeles lebende Lanegan maßgeblich bei der hart und tieftonal rockenden Fraktion, mit „Phantom Radio“ setzt er ihn massiv aufs Spiel. Aber Lanegan ist mit Ende vierzig längst zu alt für Statusdenken und viel zu sehr ein Unbequemer.

Wer im einen oder anderen Interview nur genau genug hingeschaut hat, hätte es bemerken können: Lanegans große musikalische Prägung und Liebe ist der New Wave, Post Punk und Krautrock der Achtziger. Von wegen Black Sabbath oder Led Zeppelin, liebe Stoner-Fraktion. Aber wie William Dafoe auf den Bösewicht abonniert ist, ist Lanegan auf den Blues- und Rockschmerz Stimme gebenden Barden festgelegt. Es brauchte ihn bis zu seinem neunten Soloalbum, seine tiefe musikalische Liebe für Echo And The Bunnymen, die 13th Floor Elevators und The Gun Club unmissverständlich zu offenbaren. Fast wie ein spätes, sehr spätes Coming-out.

Und nur wer genau hinhörte, hat schon in „Field Songs“, einem ähnlich autark entstandenen Soloalbum, wie das jetzige „Phantom Radio“, vor mittlerweile 13 Jahren, Songwriting-Tendenzen ausmachen können, die mit schwerer Rockmusik so gar nichts zu tun haben. Und nur wenn man weiß, wie sehr Lanegans bis heute mit Abstand bestes Album, „Bubblegum“ aus dem Jahr 2004, eine Bestandsaufnahme seiner früher so konstanten Kollaborationsfreude ist, ein musikalisches Gemeinschaftswerk getragen von der damaligen Queens Of The Stone Age-Clique um Josh Homme, deren Mitglied er zwei Alben lang war, dann wird auch schnell klar, dass schon in den Neunzigern nicht alles im baritonen Barden hard rockte was da so grungig rüberkam bei den Screaming Trees. Lanegan, dies sollten alle Fans spätestens jetzt einsehen, war die längste Zeit seiner musikalischen Karriere, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Instrument: eine unglaubliche Stimme.

Und wenn man aus Seattle kommend in den Achtzigern jung, wütend, pessimistisch und Gitarrenmusik liebend war, dann landete man halt bei Grunge, so wie sich heute die Daniel Snaith's (Caribou) dieser Welt vom Musiker zum DJ entwickeln. Und wenn man Grunge erfolgreich überlebt hat, also Drogenabhängigkeiten, und noch dazu Josh Homme zum Buddy hat, führt eine direkte Linie zum Stoner Rock. Und fertig ist die Schublade. Doch hätte man ihn gefragt, er hätte schon immer geantwortet: The Gun Club. Verzerrerfreies Gitarrenwerk, ungeschrien, unaufgeregt, aggressionslos.

Seine Fraktion wird nicht mitziehen bei diesem Album und diese moderne Version von New Wave ist leider nicht en vogue genug, um die 18-Jährigen dieser Welt zu begeistern, aber „Phantom Radio“, benannt nach dem L.A.er Nischenradio, das den ganzen Tag nichts anderes spielt als diese alten, von Lanegan so geliebten Anti-Rock-Kamellen, ist ein schönes Werk geworden, insbesondere am Anfang und am Ende.

Anspieltipps:

  • Harvest Home
  • Floor Of The Ocean
  • Death Trip To Tulsa
  • Seventh Day
  • The Wild People

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