Einstürzende Neubauten - Lament - Cover
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Einstürzende Neubauten Lament


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 73 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album gehört in ein Museum!

Helge! Reinhold! Helge! Reinhold! Das alte Reinhold-Helge-Spiel dringt Helge Schneider-Kennern ungewollt ins Bewusstsein, wenn die gestandene Industrial-Art-Rock-Formation Einstürzende Neubauten mithilfe von Autotune und im Anschluss an „Hymnen“ ans ewige Vaterland die Vornamen zweier Herrscher hin und her wirft. Überhaupt fühlt sich „Lament“ schnell wie ein Freifahrtschein zum 100-jährigen Jubiläum an, welches als Kunst gepriesen werden soll. Es stellt sich jedoch heraus, dass die Musik auf der geschichtlich angehauchten Platte ohne zusätzliches Bild- und Informationsmaterial einen Wust aus teils nicht nachvollziehbaren Ideen bildet. Über solche Kunst lässt sich wie immer trefflich streiten, doch der Ansatz der Geschichte als Mittel zum Zweck der Effekte gilt als größter Angriffspunkt der hier beschriebenen Perspektive.

Industrial-artige Klänge zur Beschreibung einer „Kriegsmaschinerie“ und einer Abwärtsspirale sind nicht unüblich, um den ersten Großkrieg im industriellen Zeitalter darzustellen. Allerdings kratzen sich Hörer zumindest den Kopf, wenn dieser Ansatz kein festes Stilmittel, sondern eher eine Erinnerung an die Wurzeln der Band zu sein scheint. Wenn es emotional werden soll („Lament: 3. Peter Pecavi“) oder mit Zappa'eskem Ton der Alltag von Soldaten beschrieben wird („On Patrol In A No Man's Land“), ist kein Platz mehr für die stampfenden Töne. Was bleibt sind atmosphärische Tracks, die ohne eine klare Zuordnung jedoch keinerlei Kraft ausstrahlen. Erst wenn sich ausführliche Dokumentationen zu erzwungenen Bibelversen und Verweise an einen belgischen Autor aufklären, zeigt sich der historische Akt hinter diesem zunächst wahllos erscheinenden Konstrukt.

Allerdings ist das Ergebnis als Musik nicht mehr als löblich. Ein Lied wie „Der 1. Weltkrieg (Percussion Version)“ ist ein typisches Stück für den Feuilleton, dessen Reduktion zu Interpretationen aller Art einlädt. Das Problem liegt in der emotionalen Dimension des Albums. Nur selten wird wie in „On Patrol In A No Man's Land“ und „How Did I Die?“ die Musik zu mehr als einer Dokumentation. Dahingegen sind „Hymnen“ und „Sag Mir Wo Die Blumen Sind“ in diesem Kontext nahezu sinnlose Adaptionen von Klängen, die im Original weitaus passender zu vertonten Mahnmalen wie „Lament: 3. Peter Pecavi“ passen würden. Natürlich kann diese Musik auch aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet werden, doch als musikalische Interpretation einer Zeit des Krieges, steht die in jeder Hinsicht fragmentarische Darstellung auf „Lament“ auf sehr wackligen Füßen.

Anspieltipps:

  • How Did I Die?
  • In De Loopgraf
  • On Patrol In A No Man's Land

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