Mrs. Greenbird - Postcards - Cover
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Mrs. Greenbird Postcards


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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Die Castingshow-Gewinner aus dem Jahr 2012 mit ihrem zweiten Album.

Mrs. Greenbird alias Sarah Nücken (30) und Steffen Brückner (38) sind die Gewinner der dritten Staffel der deutschen Ausgabe der Castingshow „X Factor“ im Jahr 2012. Im Sog des Erfolgs platzierte sich ihr Ende Dezember 2012 veröffentlichtes Debütalbum auf Rang eins der deutschen Album-Charts und erzielte mit mehr als 100.000 verkauften Einheiten eine Gold-Auszeichnung. Die aus dem Werk ausgekoppelten Singles performten dagegen alles andere als spektakulär. Nichtsdestotrotz wurde bereits im Juni 2013 ein Live-Album nachgelegt, das kommerziell kein Ausrufezeichen setzen konnte.

Inzwischen sind fast genau zwei Jahre nach dem X-Factor-Sieg von Mrs. Greenbird vergangen. Damit ist die kritische Phase angebrochen, in der viele Castingshow-Acts wieder vom Schirm des Publikums verschwinden und trotz aller Bemühungen auch nicht mehr dorthin zurückfinden. Das Casting-Rad dreht sich weiter, selbst wenn sich jene TV-Shows inzwischen (und zu Recht) sehr schwer tun und längst nicht mehr die Bildschirmmagneten darstellen, die sie einstmals waren. Für Mrs. Greenbird bedeutet dies, sich gegen den Trend des Vergessenwerdens durchzusetzen, was umso schwerer ist, da sie mit ihrem akustischen Country- und Folk-Pop im Jahr 2012 noch klar im Trend lagen.

Inzwischen ticken die Uhren anders, doch Mrs. Greenbird ziehen ihr Ding konsequent durch. Die Plattenfirma zahlte die Aufnahmen im amerikanischen Nashville und buchte Produzent Marshall Altman (Kate Voegele, Natasha Bedingfield, William Fitzsimmons, Adema) für das RCA Studio A. Hier entstand mit „Postcards“ ein Werk, das mit einem Dutzend unter Live-Bedingungen eingespielten Eigenkompositionen und dem Verzicht auf Coverversionen schon mal ein klares Statement abgibt.

Mrs. Greenbird beginnen mit der atmosphärischen Ballade „Dark horses“, gefolgt von dem Folk-Schunkler „Everyone’s the same“, der sofort ins Ohr geht und geben damit die Route für die kommenden 45 Minuten vor: Sarah Nücken und Steffen Brückner legen großen Wert auf eingängige Melodien („The lucky one“, „Hole in your heart“) und setzen dazu auf einen poppigen Americana-Sound, der nirgendwo aneckt („Good ole Ricky“, „Insomniac“, „Planets“), es sei denn, der Hörer stört sich an den ab und zu etwas arg kitschigen Texten über Eichhörnchen, Dinosaurier, Kaffee, Sonne, Mond und Sterne.

Keine Frage, Mrs. Greenbird beißen nicht, sie wollen nur spielen. Und deshalb ist der gesamte Longplayer von einer durchaus angenehmen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Stimmung und Harmlosigkeit durchzogen, die jeden Kritiker entwaffnet. Ob das reicht, um den Erfolg des Debütalbums zu wiederholen, bleibt allerdings abzuwarten. Denn zu sehr abgeschliffene Kanten machen dauerhaft nicht glücklich.

Anspieltipps:

  • Planets
  • Postcards
  • Lucky one
  • Dark horses
  • Hole in your heart
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