Genesis - R-Kive - Cover
Große Ansicht

Genesis R-Kive


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 210 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Box-Set, das sämtliche Studioalben kurz beleuchet und sogar die Soloprojekte der Bandmitglieder unter die Lupe nimmt.

Auch wenn man niemals nie sagen sollte, ist davon auszugehen, dass Genesis spätestens seit dem Ende ihrer großen Welttournee im Jahr 2007 definitiv Geschichte sind. Zwar befeuern Tony Banks (Keyboards), Phil Collins (Gesang, Drums), Steve Hackett (Gitarre), Mike Rutherford (Bass, Gitarre) sowie Ur-Sänger Peter Gabriel immer wieder mal die Gerüchteküche, indem sie verlautbaren, dass sie sich eine Reunion vorstellen könnten, doch allein es fehlt der Glaube daran, blickt man nur auf Phil Collins‘ Krankenakte. Sei’s drum. Rein kommerziell betrachtet, lässt sich aus einem der wenigen Dinosaurier der Pop- und Rock-Geschichte auch dann jede Menge Kohle herausholen, wenn es kein neues Studiowerk oder eine Tournee anzubieten gibt.

In Anbetracht dessen, dass mit „Calling All Stations“ das letzte Studioalbum aus dem Jahr 1997 stammt (damals mit einem gewissen Ray Wilson am Mikrophon...), ist die danach folgende Compilation-, Live- und Box-Set-Dichte mehr als beeindruckend. Mit der jetzt auf den Markt gekommenen 3-CD-Box „R-Kive“ landen wir inzwischen im zweistelligen Bereich. Das ist mehr, als andere Veteranen jemals an Studiowerken veröffentlicht haben. Das Besondere an „R-Kive“ ist allerdings, dass nicht nur alle Genesis-Alben seit dem 1970er „Trespass“ in chronologischer Reihenfolge mit Songs bedacht werden, auch ausgewählte Solostücke der (ehemaligen) Bandmitglieder Tony Banks, Steve Hackett, Phil Collins, Peter Gabriel und Mike Rutherford (mit Mike + The Mechanics) wurden berücksichtigt und in den chronologischen Ablauf integriert.

Auf diese Weise kann „R-Kive“ 37 Songs aus 42 Jahren aufweisen, die sich in allen möglichen Variationen mehr als 300 Million Mal verkauft haben. Die große Frage ist nur, warum es bei vergleichsweise bescheidenen 37 Tracks ausgerechnet diese und nicht jene geworden sind. So stellt Phil Collins zwar richtigerweise fest, dass es meistens die Singleauskopplungen sind, die im Gedächtnis des Hörers hängenbleiben, obwohl so mancher Album-Track mehr künstlerisches Potenzial besitzt. Doch der Anspruch muss natürlich sein, eine gewisse Gleichberechtigung zwischen beiden Welten herauszufiltern. Jedoch dürfte es unmöglich sein, eine Genesis-Song-Auswahl zu treffen, mit der wirklich jeder Fan zufrieden ist. Schließlich muss die Art- und Prog-Rock-Phase der Frühzeit (u.a. „The knife“, „The lamb lies down on Broadway“, „Carpet crawlers“) genauso abgedeckt werden, wie die millionenfach verkauften Pop-Singles (u.a. „Mama“, „Land of confusion“, „Invisible touch“, „I can’t dance“).

Das macht es nicht gerade leicht. Trotzdem ist „R-Kive“ eine schöne Retrospektive geworden, weil sie sowohl die Band- als auch die Solophasen der Musiker berücksichtigt und damit einen ebenso kompakten wie umfassenden Eindruck davon abliefert, was Tony Banks, Steve Hackett, Phil Collins, Peter Gabriel und Mike Rutherford als Texter und Songschreiber geleistet haben. Dass bei der künstlerischen Spanne von den frühen 70er bis in die späten 90er Jahre nicht jedem jeder Song gefallen wird, macht die Sache umso spannender.

Anspieltipps:

  • Mama
  • ABACAB
  • Afterglow
  • Solsbury hill
  • The living years
  • In the air tonight
  • Tonight tonight tonight
  • The lamb lies down on Broadway
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Genesis“
comments powered by Disqus