Knight Area - Hyperdrive - Cover
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Knight Area Hyperdrive


  • Label: Laser´s Edge/ALIVE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Guter, alter Neo-Prog, der sinnvoll modernisiert und angepasst wurde.

Neo-Prog stirbt aus. Marillion distanzierten sich relativ früh von dem von ihnen erfundenen Genre, Bands wie Pallas oder sogar die einstigen Kitsch-Briten von Pendragon modernisierten ihren Sound gewaltig. Umso überraschender erschien es im Jahre 2004, als sich die Niederländer Knight Area mit ihrem Debüt „The Sun Also Rises“ zu Wort meldeten und lupenreinen Neo-Prog zum Besten gaben. Gute zehn Jahre später können die Musiker auf eine stolze Anzahl von insgesamt vier Alben blicken. Das fünfte, „Hyperdrive“, setzt die Erfolgsgeschichte einer Band fort, die so mancher noch vor einigen Jahren als altbacken und belanglos abgestempelt hätte. Doch Knight Area können einmal mehr an Qualität zulegen und veröffentlichen ihr vielleicht bestes Werk. Innovationen und Modernisierungen sind bei den Musikern zwar eher überschaubar, aber als echtes Genrewerk ist „Hyperdrive“ ein Gewinner. Und solche braucht die Prog-Szene auch heute noch, damit nicht jede Band plötzlich wie ein Steven-Wilson-Abklatsch klingt.

Knight Area tun dies nicht. Stattdessen beweisen sie erneut ihr Gespür für gute, mitreißende Melodien sowie für Eingängigkeit, welche mit der Komplexität Hand in Hand geht. Und überhaupt ist „Hyperdrive“ überraschend opulent und pompös geworden. Mit dem wahnsinnig starken Opener „Afraid Of The Dark“ machen die Niederländer direkt alles klar und präsentieren ihre Qualitäten gebündelt. Mehr denn je haben sich Metalriffs in das Material eingeschlichen. Zwar haben Knight Area schon immer mit Hardrock und AOR geflirtet, doch auf „Hyperdrive“ zelebrieren die Musiker eine kaum gekannte Härte, welche ihnen außerordentlich gut steht. Stellenweise entwickelt sich ein warmer, druckvoller Sound, der an Threshold in ihrer stärksten Phase erinnert. Kompositionen wie „Bubble“, „Crimson Skies“ oder der Versuch, eine Prog-Single und -Hymne in Form von „Running Away“ zu schreiben, profitieren dadurch enorm und lassen Knight Area frisch erscheinen, ohne dass diese ihren eigentlichen Sound vernachlässigen oder mit aller Macht ablegen müssen. Dieser bekommt in „Living In Confusion“, „The Lost World“ sowie in den balladesk gehaltenen „This Day“ und (viel zu kurz) „Songs From The Past“ eh genügend Spielraum und lässt die Trademarks Knight Areas voll zur Geltung kommen.

Im Schlusslicht „Hynotised“ duellieren sich Saga-Gitarren und sphärische Keyboards regelrecht, bis das Album schließlich außerordentlich virtuos und instrumental beendet wird. Gerade das haben Knight Area drauf: Da ist es kein Wunder, dass der komplette Verzicht auf Mark Smits charakteristischen Gesang bei „Stepping Out“ prima funktioniert. Und so was kann sehr schnell auch nach hinten losgehen. Insgesamt machen es Knight Area also richtig. Sie verändern ihren Sound soweit es sinnvoll ist, bieten kleine, wohlplatzierte Neuerungen, bleiben sich am Ende aber treu. Für Freunde von gutem Neo-Prog, der wieder einmal den Stempel der Band aufgedrückt bekommen hat und gleichermaßen klassisch wie auch modern ist, bietet „Hyperdrive“ eine ganze Menge und hält das Genre am Leben, ohne es im künstlichen Schlaf verfaulen zu lassen. Schon alleine dafür haben es Knight Area verdient, dass man sie mittlerweile mit wichtigen Genrevertretern in einem Atemzug nennt.

Anspieltipps:

  • Afraid Of The Dark
  • Bubble
  • This Day
  • Running Away
  • Songs From The Past

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