Cavalera Conspiracy - Pandemonium - Cover
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Cavalera Conspiracy Pandemonium


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Max und Iggor geben auf die Fresse und fallen dabei auf die Schnauze.

Über Nachschlag an der Thrash-Front darf man sich in der letzten Zeit wahrlich nicht beklagen. Neben den altbewährten Legenden wie Exodus („Blood In Blood Out“) oder Machine Head („Bloodstone & Diamonds”) stellen auch die Crossover-Kapellen wie Sanctuary („The Year The Sun Died“) oder Revocation („Deathless“) schmackhafte Leckerbissen in die Regale, die sich bestens für ein gepflegtes Schädelhirntrauma empfehlen. Ähnliches verabreichten die Cavalera-Brüder (Max am Mikro und an der Gitarre, Iggor nimmt wie gewohnt hinter dem Schlagwerk und der übrigen Perkussion Platz) bereits vor 3½ Jahren ihren Fans im Titel („Blunt Force Trauma“), die 2007 nach vielen Jahren der Funkstille wieder zu sich gefunden haben und als brandschatzende Cavalera Conspiracy den Sepulturas dieser Welt beweisen wollen, wo der wuchtige, alles niederschmetternde Thrash Metal-Hammer hängt.

An der Gitarre zupft erneut Soulfly-Kollege Marc Rizzo herum, während sich nach Joe Duplantier (Gojira) und Johny Chow nun Nate Newton der Hardcore-Truppe Converge den Bass umgeschnallt hat. Dies hat den einen oder anderen Exkurs in dreckigere, moshende Gefilde zur Folge, einen prägenden Einfluss auf „Pandemonium“, so der Titel der dritten Cavalera-Coproduktion, hat der Einstieg des Bostoners aber nicht. Stattdessen greift das DJ-Nebenprojekt von Iggor namens Mixhell stärker ein und sorgt besonders im Track „Apex predator“ für konfusen Industrial-Wahnsinn, der dem restlichen Album in dieser Penetranz zum Glück verschont bleibt. Dafür schweben über fast allen Songs Noise-Elemente, elektronische Beigaben oder ein stimmlich verzerrter Max, die der ohnehin nicht besonders klaren und differenzierten Produktion von John Gray, der bereits auf „Prophecy“ (03/2004) und „Dark Ages“ (10/2005) an den Reglern sitzen durfte, ein Bein stellen und das Album wahrhaftig nach der „Haupstadt von Satan und seinen Kollegen“ klingen lassen.

Wäre das zumindest noch als Stilelement oder Konzept zu akzeptieren gewesen, so schießen sich die Cavalera-Brüder mit einer immer gleichen Mixtur aus wuchtigen Thrash-Riffs und vor Leidenschaft berstender Fellakrobatik selbst ins Knie und humpeln oftmals mehr schlecht als recht über die Zielgerade, da hinter der brandschatzenden Attitüde der Hörer aufgrund keineswegs motivierender Lyrics (Nein, den Songtitel mehrmals hintereinander zu grunzen, zu schreien oder zu brüllen zählt nicht dazu) oder sturem Vorwärtsdrang gnadenlos auf der Strecke bleibt. Max sieht sich hier zwar, wie er in einigen Interviews erwähnt hat, als Gesandter des Grindcore und möchte dieses Subgenre einer ahnungslosen Klientel näher bringen, ohne zupackende Ideen und mit aus dem Ruder laufenden Kompositionen über der 5-Minuten-Marke wird ihm das aber auch in Zukunft wohl kaum gelingen.

Wenigstens hatte der Vierer bei den Aufnahmen in einem zum Studio umfunktionierten Haus eine Menge Spaß, da sich die Nachbarn über den Lärm beschwerten, der ihre Wände wackeln ließ, was einen Anruf bei der Polizei zur Folge hatte. Ach, wäre diese rohe Energie, diese Scheißegal-Mentalität doch nur in „Pandemonium“ geflossen, der Lautstärkeregler würde sich nach rechts anstatt nach links drehen. Letzten Endes handelt es sich bei der dritten Zusammenkunft der Cavalera-Jungs, wie der Pressetext selbst erörtert, nämlich um nicht mehr als „the energy of two kids just jamming.“

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