Queen - Forever - Cover
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Queen Forever


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 130 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer diese Compilation an dem Queen/Michael-Jackson-Duett aufhängt, macht einen großen Fehler!

Nicht nur Pink Floyd veröffentlichen an diesem 7. November 2014 mit „The Endless River“ unerwartete neue Musik. Mit Queen öffnet ein weiterer Rock-Dinosaurier der vergangenen vier Dekaden die Archive und erbringt seinen Fans auf „Forever“ das – in diesem Fall lang angekündigte – Weihnachtsgeschenk. Schließlich sollte das Ergebnis der sagenumwobenen Sessions von Freddie Mercury und Michael Jackson aus dem Jahr 1983 endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Genau wie bei Pink Floyd, die eine Resteverwertung von „The Division Bell“ (03/1994) angekündigt hatten, gingen die Erwartungen der Fans nach dieser Ansage steil durch die Decke. Erwartungen, die sowohl Pink Floyd mit „The Endless River“, als auch Queen mit „Forever“ nicht erfüllen können.

„Forever“ besteht in der Deluxe-Ausgabe aus 36 Songs, von denen tatsächlich nur ein einziger gänzlich unbekannt ist. Es handelt sich um die Brian-May-Komposition „Let me in your heart again”, die ein Überbleibsel der „The Works”-Sessions aus dem Jahr 1983 ist. Fürwahr eine echte Rarität, da Queen im Studio immer extrem fokussiert arbeiteten und kaum ein Lied nicht für ein Album bzw. Single-B-Seiten verwendeten. Das Stück besitzt sämtliche Trademarks des Queen-Sounds, mit Brian Mays markanten Gitarreneinlagen, Chorgesängen und einem beseelt singenden Freddie Mercury, der auch am Piano zu hören ist. Im Vergleich mit den großen Popsongs wie „Radio Gaga“, „I want to break free“ und „It’s a hard life“ mag der Song eventuell etwas abfallen. Und doch hätte er wunderbar auf „The Works“ gepasst, das damals mit der merkwürdigen Anzahl von neun Tracks auf den Markt kam.

Ein weiterer „neuer“ Song ist „Love kills“, der hier als Ballade vorgelegt wird. In der Urversion hatte ihn Freddie Mercury zusammen mit Giorgio Moroder (David Bowie, Falco, Daft Punk, Gianna Nannini, Elton John) als Disco-Nummer für den Soundtrack zum „Metropolis“-Film aufgenommen und damit seinen ersten Solohit gelandet. Jetzt ist das Stück zu einer Akustikballade mit dezentem Flamenco-Touch geworden, welche die Stimme Mercurys noch stärker in den Mittelpunkt stellt. Der Sound der 80er Jahre ist dabei erhalten geblieben, sodass auch heuer Synthesizer und ausgiebige Gitarrensoli zu hören sind.

So weit, so gut. Doch nun zu der großen Enttäuschung des Albums: Die Michael-Freddie-Sessions, aus denen genau ein Stück auf „Forever“ gelandet ist: „There must be more to life than this“. Der Track hat seinen Ursprung in den frühen 80er Jahren, als Queen am „Hot Space”-Album (05/1982) arbeiteten. Das Stück landete aber nicht auf der von Funk und Disco inspirierten Platte, sondern wurde von Freddie Mercury zu einem Treffen mit Michael Jackson in dessen Homestudio in Los Angeles mitgenommen, wo es als Duett fertiggestellt werden sollte. Doch weder auf dem späteren Queen-Album „The Works“ (02/1984), noch auf dem Solodebüt von Freddie Mercury („Mr. Bad Guy“, 04/1985), auf dem sich eine Soloversion von „There must be more to life than this“ befindet, wurde die Stimme Michael Jacksons hörbar. Diese ist nun für ein paar dünne Strophen in den Song integriert, der dadurch wie ein Fremdkörper wirkt. Für den Mix hat William Orbit (Madonna, Blur, Sugababes, P!nk, Katie Melua) gesorgt, der vermutlich auch nicht wusste, wo er das fragile Stimmchen des King of Pop zwischen Streichern und Mays dominanter Gitarre vernünftig unterbringen sollte. So ist „There must be more to life than this“ sicher gut gemeint, aber nicht wirklich gelungen.

Damit wären die angeblichen Sensationen auch schon abgefrühstückt. Was nun noch bleibt, ist eine Ansammlung von bekannten Singles und speziell ausgewählten Album-Tracks, die für Queen-Fans natürlich keinen Kaufanreiz mehr darstellen. Dennoch lassen sich auf diesem Weg noch einmal ein paar interessante Perlen wiederentdecken, die live kaum gespielt wurden bzw. nicht mehr gespielt werden konnten, weil Freddie Mercury viel zu für an den Folgen einer HIV-Infektion verstarb. Brian May und Roger Taylor haben dazu u.a. Songs wie „Sail away sweet sister“, „Mother love“, „A winter’s tale“, „Lily oft he valley“, „Dear friends“, „Drowse“, „Bijou“, „Spread your wings“, „‘39“ oder auch „Nevermore“ herausgesucht, die es in dieser Zusammenstellung vorher noch nie gegeben hat. Eine fraglos herausragende Songsammlung. Aber über diesen Marketing-Gag mit den Jacko-Songs, darüber sprechen wir noch einmal, Herr May und Herr Taylor!

Anspieltipps:

  • Bijou
  • Drowse
  • Mother love
  • A winter’s tale
  • Made in heaven
  • Lily oft he valley
  • You take my breath away
  • Let me in your heart again
  • In the lap of the gods… revisited
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