HGich.T - Megabobo - Cover
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HGich.T Megabobo


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

AA-Machen auf Kunst, Musik und den Osterhasen. Weiterhin tun wir ja nicht so, als ob wir irgendwas verstanden hätten. Und?

Am Tag, an dem das Unbewertbare bewertbar wird, werden HGich.T am Ende sein: „Heute geh ich tot.“ Vielleicht. Dem Hamburger Künstlerkollektiv würde dies sowieso egal sein, es würde einfach weitermachen und wenn es dann doch Grenzen gibt, werden diese einfach überschritten. Wieder und wieder und immer wieder. Nach Jahrhundertwerken/Scheiße wie „Mein Hobby: Arschloch“ (2010) und „Lecko Grande“ (2012) melden sich Anna-Laura, Tutenchamun, Maike, Opa16 (Dietrich Kuhlbrodt), Dr. Diamond, Diddelmaus und/oder DJ Hundefriedhof auf einem Longplayer zurück und wollen die Welt erneut mit Dingen verzücken, welche sie unmöglich verstehen können und mit denen sie abermals ihrer Zeit voraus sind. Immerhin wollen viele die Hamburger mehr und mehr kapieren: Die Happenings von HGich.T sind gut besucht, die Kommentare unter den YouTube-Videos reflektierter und allmählich ist es wohl en vogue, die „Hauptschuhle“ zu besuchen, sich an der „Tanke“ Pizza, Voka, Ooooooooo zu besorgen oder den Kondom abzuwaschen. Sind HGich.T nun entmystifiziert? Nein, aber Frank Zander wird abgelöst.

Willkommen zurück im Kosmos von HGich.T, in der letzten Grenzüberschreitung, für die wir verdammt nochmal dankbar sein sollten, wenn Spießer über Comedians - am besten noch über untalentierte YouTube-Spackos - lachen und in der Elfenohren ein völliges Selbstverständnis haben. Und Muster drauf. Oder Carmina Burana als Leiche, die Kanne mit Schweineblut oder der weiße Schlibba. HGich.T-Fans wissen Bescheid und fühlen sich in den Armen ihrer Helden heimisch - egal ob sie es nun verstanden haben oder nicht. Es wird schon stimmen, wenn man den Jungs und Mädels glaubt, dass Liebe eine unumstößliche Konstante bei HGich.T ist. Deshalb funktioniert „Megabobo“ (Mega-Bohémien) auch nur, wenn man es zulässt und sich darauf einlassen möchte. Die Platte ist vollgestopft mit krudem Material („Der Laster“), mystischem Material („Die brennende Kinderjacke“) und krudem mystischen Material („Der Knast“) und hier liegt mal wieder der Hund begraben. Wer sowieso vorher abwinkt, wird eh nie etwas damit anfangen können. Und da Humor ja die komplizierteste Sache der Welt ist, ist hier keiner irgendwem böse. Punkt.

Da muss man gar nicht mal zu der Mannschaft von HGich.T gehören, um dennoch als Insider zu gelten. Schön ist ja, dass jeder seine eigene Phantasie benutzen darf und HGich.T einfach nur der Motor sind, der sie zum Laufen bringt. Musik zum Träumen, Abspacken, Hausaufgabenmachen oder einfach nur wenn Oma und Opa zum Kuchenessen vorbei kommen: „Nachts stehe ich heimlich auf dem Klodeckel“ oder „Liebesbrief mit Elfenohren“ machen es möglich und wenn dich jemand fragt, was da in der Anlage läuft, hat man ein erstklassiges Gesprächsthema. Schafft das in der 2010er-Jahren Punk? Schafft das Gangster Rap? Wie auch immer HGich.T funktionieren sollten und was das große Geheimnis dahinter ist: Es bleibt einfach ein großes Geheimnis in unserer Welt, in der wir alles auf Herz und Nieren prüfen können, in der wir alles entmystifizieren wollen und müssen. Ist das ergreifende (wirklich!) „Gedankenharfe“ nun satirisch oder nicht? Es tut gut, einmal der Doofe zu sein und keine Antwort parat zu haben. Das ist mehr wert als so manches, was uns als Kunst oder eben nicht als Kunst verkauft werden will. Da ist kein Kalkül dahinter und wenn da doch Kalkül hinter steckt, dann merken wir es einfach nicht. Genial, es bleibt genial. Und es bleibt der größte Scheiß seit Menschengedenken. Mission accomplished, alles richtig gemacht!

Zusatzinformation: Die Bewertung von sieben Punkten setzt sich aus sieben Zwergen zusammen, dadurch dass HGich.T völlig unbewertbar bleiben (Gott sei Dank), doch auch dadurch, dass große Hits wie „Hauptschuhle“, „Der geile Max/Max Bahr“ oder „Die letzten Titten von Bethlehem“ auf „Megabobo“ nicht vorhanden sind, was „Megabobo“ dann doch wieder bewertbar macht, im Endeffekt aber völlig egal ist und... tut ja nicht so, als ob ihr irgendwas verstanden hättet!

Anspieltipps:

  • Den Rosenkavalier
  • Der Laster
  • Die brennende Kinderjacke
  • Liebesbrief mit Elfenohren
  • Der Knast
  • Gedankenharfe

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