Pink Floyd - The Endless River - Cover
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Pink Floyd The Endless River


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Frisch von Rudis Resterampe: Verträumte Ambient-Sound-Collagen auf spätem Vangelis-Niveau.

Dass die Welt das noch erleben darf! 20 Jahre nach „The Division Bell“ erscheint mit „The Endless River“ tatsächlich ein neues Studioalbum von Pink Floyd. Dieses speist sich zum Großteil aus dem Material, das bei den damaligen Aufnahmesessions in London übriggeblieben war, also Songs und Skizzen, die zu schwach für den 1994er Longplayer waren, der nach Meinung einiger Kritiker eh nicht mehr als gehobenen Durchschnitt verkörperte, so der erste Gedanke. Doch ganz so dramatisch kann es nicht gewesen sein, wenn David Gilmour und Nick Mason die mit dem im September 2008 verstorbenen Rick Wright eingespielten Songs jetzt auf den Markt bringen.

Angeblich standen 20 Stunden Songmaterial zur Verfügung, das von Gilmour, Mason sowie die Produzenten Youth, Andy Jackson und Phil Manzanera gesichtet wurde. Aus diesem Wust zogen die verbliebenen Pink-Floyd-Mitglieder (ohne den ausgestiegenen Roger Waters) die Parts heraus, die für ein neues Album am geeignetsten schienen. Sie ergänzten, tauschten und änderten es mittels modernster Studiotechnologie (das Werk ist auch als High Resolution 5.1 Audio-Blu-ray erhältlich) und entwarfen auf diese Weise eine instrumentale Platte, die sich konzeptionell über vier imaginäre Seiten (es sei denn, man kauft tatsächlich die Vinyl-Version) mit 18 Tracks erstreckt.

Doch Obacht: Wer von „The Endless River“ die direkte Fortsetzung von „The Division Bell“ mit seinen strukturierten, Song-orientierten Kompositionen erwartet, wird mehr oder weniger enttäuscht werden. Zwar greifen Pink Floyd immer wieder, und sicher nicht aus Zufall, ein paar bekannte Licks und Tonfolgen ihrer langen Karriere auf – mehr aber auch nicht! Ebenso wenig ist „The Endless River“ eine Rückbesinnung auf die 60er und 70er Jahre, nur weil hier eine Art Pseudo-Struktur zur Anwendung kommt und überwiegend Instrumentalmusik geboten wird (lediglich der Track „Louder than words“ besitzt eine „echte“ Gesangsspur).

Somit wird der ursprüngliche Gedanke leider doch zur Wirklichkeit. David Gilmour und Nick Mason haben ein über weite Strecken spannungsarmes, im wahrsten Sinne des Wortes Kunstprodukt geschaffen, das über den Status „verträumte Ambient-Sound-Collage auf spätem Vangelis-Niveau“ nicht hinauskommt. Unfassbar langatmig, frei von Höhepunkten und mit nur ganz wenigen Passagen ausgestattet, die einen gewissen Nährwert besitzen, schleppt sich „The Endless River“ über die Distanz, bis das finale, als lachhaftes Selbstplagiat durchgehende „Louder than words“ erklingt.

Danach darf sich der Hörer sicher sein, dass dieses nur von Kommerz getriebene und total deplatziert als eigenständiges Album vermarktete Restesaufen, eine der dreistesten Fan-Abzocken aller Zeiten darstellt. Diese Ansammlung von Tönen hätte besser als Bonus-CD in die vor vier Monaten veröffentlichte Luxus-Kiste von „The Division Bell“ gepasst. Als 12. Studioalbum beschädigt „The Endless River“ nur den Ruf dieser Band. Roger Waters dürfte schon die Messer wetzen.

Anspieltipps:

  • Autumn ‘68
  • Louder than words
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