Sleater-Kinney - Start Together // 1994-2006 - Cover
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Sleater-Kinney Start Together // 1994-2006


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 260 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein leider viel zu teurer Weg, um den eigenen Rock-Horizont zu erweitern.

Eigentlich sollte das Ganze doch nur ein großer Spaß werden, oder? Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Sleater-Kinney haben sich dieses Jahr wiedervereint und die von manchen als wichtigste amerikanische Punk-Band um die Jahrtausendwende bezeichnete Gruppe wird die Hörer im Januar mit einer neuen Scheibe beglücken. Der perfekte Zeitpunkt, um jemanden ins Studio zu setzen, die alten Aufnahmen zu remastern und ein riesiges Vinyl-Paket zu schnüren. Oasis lassen grüßen. Was bei den Briten jedoch noch überschaubare Kosten und weniger Goodies in Form eines gebundenen Buches, Fotos und einem Print mit sich bringt, kostet bei den Damen von Sleater-Kinney einen schönen Batzen Geld.

Dafür bekommt der Hörer auch sieben Alben, um sich Sleater-Kinney an die Wand hängen zu können. Sicher könnte man die fein aufbereiteten Klänge auch so genießen, doch nicht jeder hat noch den Schallplattenspieler zu Hause stehen und so brillant ist die Remaster-Version dann auch nicht, dass digitale Aufnahmen nicht auch eine Lösung wären. So ungerne Best-of-Platten gesehen sind, wäre solch ein Album (zumindest als Alternative) wohl ein denkbar klügerer Zug gewesen. Schließlich kehrt hier eine Band zurück, die sich vor dem Social-Media-Boom aufgelöst hat. Das juckt die Hardcore-Fans nicht, aber will diese Band nur in der Vergangenheit schwelgen oder im Hier und Jetzt Musik machen?

Die Antwort gibt die Band mit ihrer Single „Bury Our Friends“ für das nächste Album selbst. Auch wenn Fans es durch die Nostalgie-Brille nicht ganz so sehen mögen, ist die Musik mehr in die Tiefe produziert. Die Band klingt nicht mehr so rau wie zu Zeiten eines „Words And Guitar“. Das zweite und vielleicht prägnanteste Merkmal der Entwicklung sind die Back Vocals. Auf dieser Compilation spüren Hörer mit heutigen Ohren, wie sich das Trio früher um ganz andere Stimmungen bemüht hat. Die Back Vocals blöken nicht mehr schräg rein, sondern arrangieren sich mit der Gesangsstimme. Ein „Combat Rock“ und ganz besonders „Oh!“ sind nicht mehr vorstellbar. Vielmehr sollte sich das neue Sleater-Kinney an Ex Hex messen.

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Für heutige Ohren klingt Sleater-Kinney an vielen Stellen aufgesetzt. Und dass man als Verfasser dieser Zeilen in der Punk-Hölle zu landen droht, ist durchaus verständlich. Nichtsdestotrotz strahlen all diese Alben einen Charme aus, der an Chibo Matto und At The Drive-In erinnert. In jeder Pore atmet diese Musik ein Jahrzehnt, welches sich heute selbst nicht mehr so interpretieren würde. Das heißt nicht, dass die Musik nicht gut gealtert ist. Zwar funktionieren Tracks wie eben „Oh!“ nur für ältere Ohren, aber dieses Box-Set lässt auch nichts neu aufleben. Stattdessen werden Fans daran erinnert, warum sie sich ursprünglich in diese Band verliebt haben.

Die Band klingt immer noch frech und verrückt genug, um heutige Hörer zu unterhalten. Dadurch, dass die Band allerdings nicht komprimiert wird, sondern eine komplette Karriere vor Käufern dieser Box steht, kann nur über das Gesamtwerk gesprochen werden. Wahrscheinlich war das Trio einer der letzten, gelungenen Versuche von moderner Punk-Musik. Heute würde sie niemand mehr in diese Schublade stecken. Ihre Musik wird von einigen wahrscheinlich mit der New Yorker Szene nach der Jahrtausendwende verglichen und durch die schwammigen Linien von Genres, kann man solche Parallelen durchaus nachvollziehen. Unabhängig davon, dass diese Musik heute keine große Wirkung ohne ihre Vergangenheit hätte, ist Sleater-Kinney eine dieser Bands, die nie enttäuscht hat. Vom Debüt an konnten die Damen immer wieder überzeugen und wer seine Liebe zu gut gemachter und grober Rockmusik hübsch aufgemacht ins Regal stellen möchte, der kann das jetzt auch endlich tun.

Anspieltipps:

  • Call The Doctor
  • The Woods
  • Dig Me Out

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