Ali Campbell - Silhouette - Cover
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Ali Campbell Silhouette


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Seicht, seichter, Ali Campbell. Der ehemalige Sänger der britischen Pop-Reggae Formation UB40 geht den Weg des geringsten Widerstands und beschwört den längst verflogenen Geist früherer Erfolge.

Ali Campbell war Stimme und Gründer der britischen Pop-Reggae Band UB40 aus Birmingham, die von den frühen 80ern bis in die 90er-Jahre hinein Hits wie „Red Red Wine" und „Kingston Town" ablieferte. Ali Campbell verließ 2008 die Gruppe und legt jetzt sein fünftes Soloalbum vor. Dabei unterstützen ihn seine langjährigen UB40-Weggefährten Terence „Astro" Wilson und Mickey Virtue. Die Songs setzen sich aus Eigenkompositionen und Coverversionen von z.B. den Beatles, von Bob Dylan, der Girl-Group Chi-Lites oder der Doo-Wop-Formation The Rays zusammen.

Musikalisch knüpft er da an, wo er 2008 mit dem Soft-Reggae von UB40 aufgehört hat. Künstlerisch gibt es seitdem keine Entwicklung zu verzeichnen. Ali Campbell begnügt sich mit simpel aufgebauten Sunshine-Reggae-Nummern, die nirgends anecken. Das ist der Stoff, der für die Beschallung von mediterranen Strandbars in überfüllten Urlaubszentren herangezogen wird oder an gleicher Wirkungsstätte zur Untermalung von Animationen dient. Harmlose Gebrauchsmusik also, die unbeschwertes Urlaubsfeeling heraufbeschwören soll. Belanglos ist als Beschreibung noch vorsichtig formuliert. Songtitel wie „Sha La La“ sprechen da eine deutliche Sprache. Und was die drei Spießgesellen „I Want You“ von Bob Dylan angetan haben, das grenzt schon an Körperverletzung!

Süßlich, anbiedernd und von synthetischen Rhythmusgeräten gleichgeschaltet, mutet das Machwerk wie der krampfhafte Versuch an, den versiegten Geldhahn durch Musik, die auf Nummer sicher geht, zu reaktivieren. Dabei waren UB40 in ihren Anfangstagen eine wichtige, politisch aktive, gegen den Thatcherismus angehende, multikulturelle Reggae-Formation aus der Arbeiterklasse von England. Sie haben sich im Laufe der Zeit sowohl musikalisch wie auch inhaltlich immer mehr von ihren Idealen entfernt und sind zum reinen Show-Act degeneriert. Die Namensrechte der Band liegen bei der britischen Regierung, denn UB40 ist die Bezeichnung für ein Formular zur Beantragung von Arbeitslosenunterstützung. Um die Verwendung des Bandnamens rangeln sich seit dem Split Alistair Campbell und seine Brüder, die weiter unter diesem Banner unterwegs sind. Das hat dazu geführt, dass die Geschwister bis heute zerstritten sind. Von diesem anhaltenden Bruderzwist handelt der Titel „Cyber Bully Boys“. Selbst dieses emotional aufgeladene Thema hat nicht dazu geführt, dass der Musik etwas Schärfe zugeführt wurde.

Da hilft es auch nichts, dass Ali Campbell die wahre Stimme der Band war und immer noch ein betörendes Organ besitzt: Heute hat er nichts anderes zu bieten, als seichte Unterhaltung, die auf nostalgischen Erinnerungen beruht.

Anspieltipps:

  • Cyber Bully Boys

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