Ella Henderson - Chapter One - Cover
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Ella Henderson Chapter One


  • Label: Syco Music/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine neue Stimme aus England, hervorgegangen aus einem „The X Factor“-Casting.

Es ist doch immer wieder herrlich, wie in regelmäßigen Abständen auf der britischen Insel neue Popstars geboren werden, die von null auf hundert durch die Decke gehen und zumindest in der Anfangszeit Tonträger wie geschnitten Brot absetzen. Dass daran oftmals sogenannte Castingshows „schuld“ sind, ist ein Phänomen, das auch hierzulande, freilich in einem wesentlich kleineren kommerziellen Rahmen, zu beobachten ist. Scheinbar ist es den großen Plattenfirmen überhaupt nicht mehr möglich, angehende Popstars auf eine andere Weise zu etablieren. Oder sie wollen es gar nicht erst. Langsamer Künstleraufbau, behutsame Werbung, gesponserte Tourneen – kostet alles nur Geld und beherbergt ein zu großes finanzielles Risiko. Na schön, dann eben nicht!

Also stellen wir fest, dass auch die 18-jährige Newcomerin Ella Henderson eine ehemalige Castingshow-Teilnehmerin (hier: die englische Ausgabe von „The X Factor“) ist und nicht etwa das Produkt eines sorgsamen Karriereaufbaus einer Plattenfirma. Ella Henderson gewann den Wettbewerb im Jahr 2012 nicht. Sie kam gerade einmal unter die letzten sechs. Trotzdem ergatterte sie einen Plattenvertrag bei dem Major-Sublabel Syco Music (Sony) und durfte mit einer wahren Top-Produzenten-Riege ihr Debütalbum „Chapter One“ zusammenstellen. Dazu zählen u.a. Ryan Tedder (Leona Lewis, Jennifer Lopez, Beyoncé, U2), Salaam Remi (Alicia Keys, Nas, B.o.B., Amy Winehouse), Steve Mac (Shakira, Westlife, James Blunt, Susan Boyle) Kenny „Babyface” Edmonds (Whitney Houston, Madonna, Janet Jackson, Celine Dion) und Jamie Scott (Olly Murs, One Direction, Matt Cardle & Melanie C).

Okay, billig war der Spaß bestimmt nicht, sodass die Plattenfirma wenigstens eine ihrer ureigensten Aufgaben erfüllt hat. Doch mit dem Erfolg der ersten Single „Ghost“, die sich in Großbritannien mehr als 600.000 Mal verkauft hat und selbstverständlich den ersten Platz der Charts einnahm, zahlte sich der Aufwand bereits aus. Wie nachhaltig das Ganze allerdings ist, muss die Zeit zeigen. Denn meistens verwässern die im Dutzend eingekauften Star-Produzenten und Songschreiber das Talent der „Casting-Stars“ mit ihren austauschbaren Songs, die sind zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Anhieb aus der Schublade ziehen können. Und sie wir mal ehrlich: Stücke wie „Ghost“, „Empire“ oder auch „Glow“ könnten von jeder zurzeit aktiven Pop-Chanteuse zwischen 15 und 45 Jahren gesungen werden.

Das ändert natürlich nichts daran, dass Ella Henderson eine tolle Soul-Stimme und ein unverbrauchtes Gesicht hat. Das allein reicht schon, um sich mit ihrem Debütalbum auseinanderzusetzen, das es sich zwischen Soul und Pop bequem gemacht hat und damit wenigstens den zurzeit gültigen Anbiederungen an Dubstep und Neo-R&B widersteht. Zudem verringert sich mit zunehmender Spieldauer die latente Austauschbarkeit, die besonders den Songs eines Ryan Tedder anhängt. Eine gute Fügung. Denn so schafft es „Chapter One“ doch noch, Spaß zu machen.

Dabei hinterlässt vor allem Ella Hendersons Stimme einen bleibenden Eindruck. Doch es gibt auch fünf, sechs überzeugend-sympathische Tracks, die es wert sind, „Chapter One“ zu hören, auch wenn die abschließenden Balladen „Lay down“ und „Missed“ ein bisschen zu dick auftragen und die Tränendrüsen damit nicht öffnen können.

Anspieltipps:

  • Yours
  • Pieces
  • Empire
  • All again
  • Hard work
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