The Vaselines - V For Vaselines - Cover
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The Vaselines V For Vaselines


  • Label: Rosary Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

The Vaselines waren eine Lieblingsband von Kurt Cobain. Ihr Markenzeichen sind zeitlose Hymnen zwischen Pop und Punk.

The Vaselines waren Favoriten von Kurt Cobain. Er coverte mit Nirvana sogar Songs von ihnen („Son Of A Gun“, „Molly`s Lips“ und abgewandelt „Jesus Doesn`t Want Me For A Sunbeam“). Aber trotz des populären Zuspruchs hat es die Gruppe aus Edinburgh im Gegensatz zu anderen gleichgelagerten schottischen College-Rock- oder Pop-Bands wie Teenage Fanclub nie wirklich geschafft, einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu werden. Die Köpfe der Formation, Eugene Kelly & Frances McKee (beide Gesang und Gitarre), legen jetzt erst ihr drittes Album nach der Gründung im Jahr 1987 vor. Als das Debüt „Dum-Dum“ 1989 erschien, hatten sich die Musiker grade wieder getrennt. Erst im Jahr 2008 fanden sie erneut zusammen und haben sich zuletzt 2010 mit „Sex With An X“ zu Wort gemeldet.

Die große Stärke der Combo liegt darin, honigsüße Melodien und energische Rhythmen so zu verbinden, dass eine Symbiose zwischen Eingängigkeit und Rebellion erreicht wird. Ihre Einflüsse gehen dabei bis zum Bubblegum-Pop der 60er-Jahre zurück (kennt noch jemand „Yummy, Yummy, Yummy“ vom Ohio Express?). Formelhafte, kleben bleibende Refrains wurden damals mit unbeschwerten, hyper-eingängigen Melodien kombiniert, so dass tatsächlich so etwas wie „Kaugummi fürs Gehirn“ für hormongesteuerte Teenager entstand. Man bekam den Ohrwurm einfach nicht mehr aus dem Kopf, ob man nun wollte oder nicht. Diesen Effekt nutzen auch die Vaselines für ihre Songs, die sie zusätzlich durch dynamischen Power-Punk-Pop aufpeppen. Hiermit stehen sie in der Tradition von Blondie, den Buzzcocks oder den Ramones.

Die zuletzt genannten New Yorker Punker haben deutliche Spuren beim Opener „High Tide Low Tide“ hinterlassen. Der hier eingebrachte poppige Einschlag könnte auch als Erbe der Monkees verstanden werden, die in den 60er-Jahren die erste durch Casting gebildete Pop-Band war. Wie The Jesus & Mary Chain ohne Feedback klingt „Crazy Lady“ und „One Lost Year” ist ein Musterbeispiel für erstklassigen, raffiniert strukturierten Power-Pop. Hier gibt es ein flippiges, über beide Kanäle gestreutes Gitarren-Solo zu entdecken. Für „Last Half Hour“ wurde das Tempo rausgenommen und es entstand so eine dunkle, feurig schimmernde Ballade. Für Abwechslung sorgt das agile, im Hintergrund agierende Honky-Tonk-Piano bei „Inky Lies“. Der trockene Folk-Rock von „Single Spies“ hat seine Wurzeln im Sound des 3. Velvet Underground-Albums. Allerdings ist die Nummer mit fast viereinhalb Minuten zu lang geraten, um noch griffig sein zu können. Außerdem wird der Refrain zu oft wiederholt und die Süße siegt hier über die Schärfe.

Die Vaselines erschaffen grundsätzlich zeitlose, lebhafte Pop-Hymnen und die meisten Tracks auf „V for Vaselines“ zünden auch sofort. Daran hätte Kurt Cobain wahrscheinlich auch wieder seinen Spaß gehabt.

Anspieltipps:

  • High Tide Low Tide
  • Crazy Lady
  • One Lost Year
  • Last Half Hour

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