Egokind & Ozean - Transition - Cover
Große Ansicht

Egokind & Ozean Transition


  • Label: Traum/Rough Trade
  • Laufzeit: 65 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Elektronische Hymnen für einen sonnigen Frühherbst.

Manchem mögen die Berliner Egokind & Ozean bekannt sein. Ersterer vielleicht durch seinen eingängigen und lustig-albernen House-Track „I’m so sad, so very very sad“, letzterer durch eher entspannte und sphärische House-Nummern und die Zusammenarbeit mit ersterem. Jan Hammele (Egokind) und Andreas Huber (Ozean) lernen sich während ihres Studiums kennen. Zu dem Zeitpunkt haben beide schon in einer Vielzahl von Bands gespielt, Hammele ist darüber hinaus als DJ aktiv.

Zusammen haben die beiden schon zwei EPs auf Kölns „Traum Schallplatten“ veröffentlicht, „Transitions“ ist ihr erster gemeinsamer Longplayer, auf dem beide für sich neue Wege gehen. Auf diesem Debüt (sowohl als Solokünstler als auch als Duo) vermischen sich Egokinds & Ozeans tradierte Stile, also Egokinds Clubaffinität und Ozeans Ambientstil, zu entspannten, warmen Tracks, die knistern, rascheln und im Glitch ausrutschen. Streckenweise erinnert das stark an den Chillwave von Gold Panda, der sich aber hier noch mehr Tanzbarkeit bewahrt. Gleichzeitig steckt in den Glitch-Sounds, in den Clicks & Cuts und dem rauschenden Einsatz von Tiefpass-Filtern eine ordentliche Portion Post-Dubstep-Ästhetik aus Großbritannien.

Jazzige Becken und Hi-Hats markieren den Beginn des verträumten House-Tracks und Openers „Mega“ und machen dem Hörer vor allem die erste Parallele bewusst. Auf „Flying Sparks“ warten scharrende Percussions und Dauerpiepen im selben Stil, während „Everytime You Smile“ mit abgehackten und gepitchten Vocals, Tech-House-Beats und Kickdrum-Staccato nochmal die individuelle Note der beiden Produzenten hochhält und einer von „Transitions“ wenigen kompromisslosen Clubtracks ist. Die positive Stimmung, die der Track kreiert, wird allerdings vom melancholischen „Mute Memories“, seinem Kratzen und komprimierten Vocals wieder abgeschwächt.

Das kurze introduktive Medley „Faint Light“ und „We Float Around...“ reiten diese introspektive Welle weiter. Klickende Sounds, die klingen wie ein Perlenvorhang im Wind, ein schleppender Beat, flächige Pianoklänge und ätherische Vocals als Hintergrundbegleitung formen eigentlich schon den energetischen Tiefpunkt des Longplayers. Die Atmosphäre in „Light Realms“ macht den Übergang zu wieder etwas mehr Tempo im dennoch entspannten Tech-House-Track „Silverbird Wake Me Up“. Das Ende vom rauschigen Orgel-Werk „Everything Around You...“ ist leider sehr abrupt geraten, „Future Fireflies“ gelingt es nur bedingt, den Hörer wieder aufzufangen.

Der bollernde Bass von „Everybody Dance Now“ wirkt zunächst etwas fehl am Platz. Der Track reiht sich aber gut in den Rest des Albums ein, wenn die melodischen Vocals anfangen. Man ist ein bisschen froh, dass das Album mehr kann als nur Wärme und Entspanntheit auszustrahlen. Bei diesem Track bleibt es allerdings auch. „Euphoria“, der eigentliche Schlusstrack, macht mit R’n’B-Anleihen und wesentlicher Verwendung von Clicks & Cuts den kurzen Stilbruch des Vorgängertracks nochmal offensichtlicher. Dafür sind sein Kratzen, sein bedecktes Orgelspiel, die heulenden Vocals und die aufbrausenden Synthies die letzten Highlights der offiziellen Album-Playlist. „Diamond Days“ und „Sinus“ glänzen zwar auch mit melodischem House und viel Glitch und Gepiepe, firmieren aber als „Bonus“ Tracks, also inoffizieller Teil des Albums.

„Transitions“ ist ein Longplayer mit viel „Chillwave“-Attitüde, warmen Sounds und Atmosphäre, dem der Wechsel von entspannten ruhigen zu entspannten temporeichen Tracks immer gut gelingt. Dadurch ist man oft auch verführt, die Tatsache, dass es ein Album ist, das nicht allzu oft mehr kann als zu entspannen, zu ignorieren. Das ist aber in Anbetracht der Tempowechsel auch vollkommen in Ordnung.

Anspieltipps:

  • Everytime You Smile
  • We Float Around
  • Euphoria
  • Silverbird Wake Me Up

Neue Kritiken im Genre „Electro“
8/10

Atlantic Oscillations
  • 2019    
6.5/10

A Bath Full Of Ecstasy
  • 2019    
Diskutiere über „Egokind & Ozean“
comments powered by Disqus